Zum Frauentag: Eine Ermahnung in Pink

So sah das Schlussbild der Kunstaktion "fair share! Sichtbarkeit für Künstlerinnen" am internationalen Frauentag vor der Neuen Nationalgalerie in Berlin aus. Foto: Christian von Polentz

Das Berliner Aktionsbündnis fair share! lud am Internationalen Frauentag 2022 zu einer symbolischen Aktion an der Neuen Nationalgalerie ein. „Sichtbarkeit für Künstlerinnen“ wurde bei der Performance gefordert und das Gebäude von Protagonistinnen in pinkfarbenen T-Shirts umstellt. Jede Teilnehmerin trug darauf den Namen einer bisher nicht in Museen vertretenen Künstlerin.

In dem kürzlich nach umfangreicher Sanierung wiedereröffneten berühmten Museumsbau Mies van der Rohes wird im Untergeschoss die Sammlung der Moderne der Staatlichen Museen zu Berlin präsentiert. Aktuell, so hat faire share! nachgezählt, sind dort 16,7 Prozent Künstlerinnen vertreten. Neben Hannah Höch, Natalja Gontscharowa, Lotte Laserstein, Lou Loeber und Marg Moll weitere 17 Vertreterinnen des Expressionismus, Surrealismus, Konstruktivismus und Dadaismus.

Bereits im Vorfeld der Eröffnung hatte das Aktionsbündnis in einer spontanen nächtlichen Kunstaktion mehr Präsenz von Künstlerinnen in der ständigen Sammlung angemahnt und 800 Namen von Künstlerinnen an den Bauzaun geheftet. Gegenwärtig stehen 22 Künstlerinnen in der Schau 110 Künstlern als Urhebern gegenüber, von den insgesamt 250 ausgestellten Werken wurden 14 Prozent von Künstlerinnen geschaffen.

Einige 20 von insgesamt 110 Teilnehmerinnen der Kunstaktion Foto: Christian von Polentz

Deshalb hat fair share! eine Liste mit 110 Namen von Künstlerinnen zusammengetragen, die es auf jeden Fall verdient hätten, in Sammlungen und Museen, speziell in öffentlich finanzierten Einrichtungen, sichtbarer gemacht zu werden. Die Aufstellung reicht von Anni Albers bis Alma Woodsey-Thomas und Yva und erfasst Malerinnen, Fotografinnen, Filmemacherinnen und Textilkünstlerinnen – allesamt hervorragende Vertreterinnen der Klassischen Moderne, deren Werk aber weitgehend unbekannt und unerforscht ist. Die Aktion am 8. März, der in Berlin ein Feiertag ist: 110 Künstlerinnen und Kulturschaffende umrundeten die Neue Nationalgalerie in einer 40-minütigen Performance. Auf ihren T-Shirts trugen sie den Namen einer Künstlerin von der Liste, die im Schaubestand des Hauses vertreten sein könnte, wenn ihre Werke gesammelt worden wären.

Jede Teilnehmerin, so das Konzept der Aktion, wurde am Tag der Performance zur Expertin „ihrer“ Künstlerin. Besucher*innen konnten sich im Anschluss an die Aktion an die Teilnehmerinnen wenden und sie zu Leben und Werk befragen. Auf diese Weise soll ein Informationspool entstehen, der viele noch unentdeckte, lange vergessene und stark unterrepräsentierte Künstlerinnen sichtbar machen kann.

Foto: Christian von Polentz
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