Versteht sich von selbst

Komponierte Kritik

Zum internationalen Frauentag am 8. März 2019 hat die Fotografin und Autorin Ylva Salzmann den Medien das nebenstehende Foto zum Abdruck zur Verfügung gestellt. „Das Bild versteht sich – denke ich – von selbst“, schreibt Salzmann dazu. Dennoch liefert sie in einem Beitext „vorsorglich“ einige Erläuterungen zum Verständnis und zum Entstehungsprozess ihres Werkes.

Die Erklärung von Ylva Salzmann lautet:

„Das Bild versteht sich als Kritik an Bildern in Werbung und Kampagnen, die Frauen in sexualisierten Posen und oftmals mit Phallussymbolen (wie zum Beispiel Flaschen) zwischen den Beinen als Blickfang benutzen. In Kampagnenbildern oftmals ohne jeden Bezug zum beworbenen Produkt (z.B. Frauen ohne Schuhe als Blickfang in einer Kampagne für Schuhwerbung).

Dabei versteht sich die Arbeit selbstverständlich nicht als Apell zur Aufnahme von Bildern von Männern in sexualisierten Posen in der Werbung. Es geht nicht darum, die Vermarktung von Stereotypen vorgeblich im Sinne von Vielfalt und neuen Interessensgruppen zu erweitern. Es geht nicht um den Wunsch einer Umkehr von Rollen.

Das Bild verkörpert eine Kritik an patriarchalen Rollenbilden und damit verbundenem Lustempfinden. Es propagiert den Blick auf das Lustzentrum der Frau. Die Vulva.

Inspiriert wurde die Arbeit in negativer Weise von sexistischer Werbung, insbesondere von einem Kampagnenbild von Street-shoes.

Aufgenommen im November 2018
Foto: Ylva Salzmann

In positiver Weise von einem Cover-Bild des feministischen Magazins Anschläge (5/2018) und von der Arbeit “Dinner-Party” (1979) der US-amerikanischen Künsterlin und Feministin Judy-Chicago.

Das Zitat an der Wand stammt aus dem Buch ‚Die Revolution der Frau‘ (2014) von Abdullah Öcalan, welches bis vor kurzem in dem seit Anfang Februar 2019 verbotenen Mezopotamien-Verlag erhältlich war.

In seiner Beschreibung der Entstehung des Patriachats und der ‚Wissenschaft der Frau‘ (Jineologie) schreibt Öcalan unter anderem auch, dass er vollstes Vertrauen habe, dass das 21. Jahrhundert das Jahrhundert der Befreiung der Frau sein wird.

Die Arbeit war Teil der Master-Ausstellung ‚Als die Motoren nicht mehr still standen‘, die während der Jahresausstellung der Hochschule für bildende Künste Hamburg 2019 gezeigt wurde.“

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