Realität und Emotion auch in Bronze

Käthe Kollwitz: Frau mit Kind im Schoß, um 1911, Bronze. Foto: Käthe Kollwitz Museum Köln/ Claudia Goldberg, Sasa Fuis

Käthe Kollwitz (1867–1945), eine der wichtigsten Künstlerinnen des 20. Jahrhunderts, ist vor allem als grandiose Zeichnerin und experimentierende Druckgrafikerin mit unverkennbaren Stil bekannt. Unbekannter ist dagegen ihr Oeuvre als Bildhauerin, das aber gleichbedeutend neben ihrem grafischen Werk steht. Eine Ausstellung „Realität & Emotion“ zu den Internationalen Tagen Ingelheim richtet demnächst den Blick auf das Gesamtwerk der bildenden Künstlerin. 

Käthe Kollwitz hat sich während ihres gesamten Schaffens mit einer Fülle von Themen auseinandergesetzt. Die Ingelheimer Ausstellungsmacher*innen wollen mit der Auswahl der gezeigten Werke die menschliche Größe und Zugewandtheit der Künstlerin deutlich machen, mit der sie Menschen ins Zentrum ihrer Kunst stellte. Die Begriffe „Realität“ und „Emotion“ bilden dabei die inhaltlichen Klammern. Gezeigt werden soll ab Ende Mai Kollwitz‘ künstlerisches Talent, Gefühle, Zerrissenheit und Trauer darzustellen.

Die Schau beginnt mit den beiden frühen druckgrafischen Zyklen Die Weber (1897/98) und Bauernkrieg (1902/02-1908). In diesen Werken bildet die Künstlerin eine Realität ab, die sie in der zeitgenössischen Literatur entdeckte. Mit diesen beiden Serien gelang ihr der künstlerische Durchbruch.

Da die menschliche Figur das zentrale Motiv im Werk von Käthe Kollwitz bildet – vor allem der weibliche Körper –, widmet sich ein Aspekt der Ausstellung ihrer präzisen Beobachtungsgabe und zeichnerischen Umsetzung. Besonders Darstellungen von Frauen und Kindern, die das Glück und die Tragik gleichermaßen aufzeigen, stehen im Zentrum.

In einer Gruppe von weiteren Werken richtet sich das Augenmerk auf Emotionen, die einerseits die gefühlsbetonte Leere des Menschen darstellen und andererseits Empfindungen wie die Liebe, die Klage und den Tod erfassen. Auch hier ergänzen sich Zeichnungen, Druckgrafik und dreidimensionale Bildwerke.

Selbstbildnis mit aufgelegter Hand, 1905, Zeichnung, Kreide und Graphitstift Foto: bpk | Hamburger Kunsthalle/ Elke Walford

Den Schlusspunkt setzt eine Auswahl von Selbstbildnissen – eine Ausdrucksform, die sich durch ihr gesamtes Schaffen zieht und mit der sie sich schonungslos selbst betrachtet.

Die Ausstellung umfasst etwa 90 Werke und ist in enger Kooperation mit dem Käthe Kollwitz Museum Köln entstanden. Außerdem sollen zahlreiche Leihgaben von Museen in Berlin, Frankfurt, Hamburg und Wiesbaden sowie aus privaten Sammlungen präsentiert werden.

Die Schau läuft vom 22. Mai bis 18. Juli 2021 im Kunstforum Ingelheim – Altes Rathaus. Dazu erscheint ein Katalog.

Wegen der Pandemie muss mit Zugangsbeschränkungen gerechnet werden. Detaillierte und aktuelle Informationen hier

 

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