Ich würde denselben Faden spinnen…

Ein leicht resignatives, doch selbstbewusstes Resümee seines Lebens und Schaffens zog Theodor Fontane in diesem Gedicht von 1895.
Damals war er 76 Jahre alt und ein Schriftsteller, der letztlich von seiner Kunst hatte leben können. Bis heute flicht ihm die Nachwelt Kränze als dem bedeutendsten deutschen Vertreter des literarischen Realismus.

Ende Dezember 1819 geboren, lag ihm eine Aussicht auf Nachruhm eher nicht in der Wiege. Vater Louis Henry, hugenottischer Abstammung und Apotheker in Neuruppin, sah seinen Sprössling perspektivisch wohl gleichfalls mit Pülverchen, Mörser und Tinkturen hantieren. So kam es zunächst auch. Doch 1839, mit knapp 20, veröffentlichte der Pharmazie-Lehrling bereits seine erste Novelle – lange, bevor Fontane 1847 seine Approbation als „Apotheker erster Klasse“ erhielt. Zwei Jahre danach erschien sein erstes richtiges Buch. Da hängte er den Apothekenkittel für immer an den Nagel, wurde Korrespondent in London, wanderte später durch die Mark Brandenburg, schuf unvergleichliche Romanheldinnen.

2019 ist ein Fontane-Jahr. Am 30. Dezember wird sein 200. Geburtstag gefeiert. Bis dahin gibt es vielfältige Formen der Würdigung. Ein ganzes Themenjahr gestaltet etwa das „Kulturland Brandenburg“. Es wird einen Kongress des Fontane-Archivs an der Universität Potsdam veranstaltet und eine Sonderschau am Haus der Brandenburgisch-Preußischen Geschichte vorbereitet. Der Geburtsort plant eine Leitausstellung im Stadtmuseum, es wird Fontanefestspiele in Neuruppin und Jugendprojekte geben. Am 30. März hat eine Produktion des „Clubs der toten Dichter“ von Reinhardt Repke im Kornspeicher Neumühle in Alt Ruppin Premiere. Neuvertonungen von Fontane-Texten mit Katharina Franck gehen danach auf Tournee. Das Kulturradio des rbb bietet eine spezielle Fontane-App zum Download. Fontane allüberall? Schön wäre, wenn aus dem eigenen Bücherregal auch mal ein Werk zum Wiederlesen herausgegriffen würde…


„So und nicht anders“ zitiert nach: Fontanes Werke in fünf Bänden. Erster Band. Aufbau-Verlag Berlin und Weimar 1979, Seite 14.

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