Blüten unter Wasser und in der Seifenblase

Ein Strauß. Foto: Anna Halm Schudel

„Tulpen sind meine Lieblingsblumen. Es sind wunderbare Motive, ideal, um damit gestalterisch zu experimentieren“, sagt Anna Halm Schudel, die an der Kunstgewerbeschule in Vevey und am College of Art and Design in Birmingham studiert hat und als Assistentin des Fotografen René Groebli arbeitete. Bis heute schätzt sie das Experiment.

So hat sie etwa Christrosen hinter Seifenblasen fotografiert, Blumensträuße unter Wasser – und in jüngster Zeit sogar mit Photoshop-Filtern gearbeitet. Ihre außergewöhnlichen Bildergebnissen zeigt jetzt die Ausstellung „Blossom“ in KölnBilder, die dekorativ sind, aber oft auch die Vergänglichkeit, das Memento mori vor Augen führen. Alles ist sterblich, alles ist vergänglich – sagen viele dieser Fotografien.

Immer noch schön: Wilde Tulpen-Trockenbukett. Foto: Anna Halm Schudel

Seit der Antike, über die Barockzeit – bis heute: Noch immer ziehen Blumen die Blicke der Menschen an – sie wollen gefallen. Und das ist auch ihr Problem. In der Kunst haben Blumen ein schlechtes Image: Sie verkörpern das Triviale, das Prinzip einer harmlosen Schönheit. Wenn Anna Halm Schudel Blumen fotografiert, dann ist das aber alles andere als harmlos. Denn die Künstlerin interessiert sich vor allem für den Zustand ihres Absterbens. Ihre Blumen sind welk – der Tod, das Morbide steckt stets schon in ihnen. Die Alterung der Pflanzen ist ihr Thema seit Dekaden schon. Sie zeigt sie in zumeist gedeckten, pastelligen Farben. Ihre Bilder entstehen im Studio – hier herrscht Ruhe. Hier kann Anna Halm Schudel die blumige Schönheit in größter Perfektion fotografisch erkunden.

Foto: Anna Halm Schudel

Momentan wird also eine Auswahl ihrer Arbeiten in der Kölner in focus Galerie präsentiert, zunächst nur als virtueller Rundgang. Doch sind bis zum 8. Oktober auch individuelle Besuche nach telefonischer Vereinbarung möglich. Dann folgt eine Ausstellungseröffnung mit Künstlerin und Publikum und die Arbeiten werden noch bis in den Dezember hinein vor Ort zu betrachten sein.

Zudem sind ab dem 27. Juni bis Oktober Arbeiten von Anna Halm Schudel im Erfurter AngerMuseum im Rahmen der Ausstellung „Flower Power“ zu sehen – als spezieller Beitrag zur aktuellen Bundesgartenschau.

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