Disco-Happening mit Tiefgang

screenshot: facebook.com/yellow.sub.muenchen

„Alles ist eine Verbeugung vor Clubkultur und den Menschen, die dafür arbeiten – und für Anti-Rassismus, Gender-Empowerment, Subkultur, korrekte Arbeitsbedingungen, Weltoffenheit, Anerkennung für den kulturellen Wert u.v.m. – und hat auch historische Bezüge.“ So kündigte Max Zeidler seine Aktion „Zukunft Disco – Gedenken Yellow Sub“ für den 4. Juni in München an.

Wo sich heute nur noch eine recht öde Grünfläche am Rande des Neubauquartiers „Schwabinger Tor“ ausbreitet, stand von 1971 bis 2013 ein legendärer mehrstöckiger Bau, der den Tanzclub „Yellow Submarin“ beherbergte und im Inneren tatsächlich U-Boot-Flair verbreitete. Er musste samt der umliegenden früheren Bebauung einem Neubauprojekt weichen. Max Zeidler, Stadtführer und soloselbstständiges ver.di-Mitglied, streitet seit Jahren um eine Erinnerung an dieses Stück Münchner Disco-Kultur. Eine riesige blitzende Disco-Kugel wäre sein „Wunschvorschlag Denkmal“.

Doch die Pandemie und das lange währende Aus für jegliche Clubkultur in Deutschland brachte ihn und etliche Mitstreiter jetzt auf eine handfeste aktuelle Idee: Ein provisorischer Kugel-Dom am originalen Ort zauberte Flair, fünf verschiedene DJ, darunter der vom Watergate Berlin angereiste Floyd Lavine, aber auch stadtbekannte Kolleg*innen lieferten Anwohnern und Gästen Musik und Unterhaltung bis tief in die Nacht. Das Happening „Zukunft Disco – Gedenken Yellow Sub“ als eine hintergründige temporäre Aktion war zugleich ein Beitrag im „Jahr der Kulturschaffenden“ von ver.di.

screenshot: facebook.com/yellow.sub.muenchen

Clubs und Diskotheken sind seit über einem Jahr geschlossen, und tragen die Krise solidarisch mit. Dennoch fehlen sie“, sagt Max Zeidler und richtet den Blick auf alle damit befassten Menschen. Und auf eine Aussage des bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder, der kürzlich in einem „Augsburger Allgemeine“-Interview auf die Frage, wann man wieder in Clubs tanzen könne, erklärte: “Das dauert. Denn da ist die Ansteckungsgefahr einfach mit am höchsten. Aber sie können ja zum Beispiel zu Hause mit Ihrer Partnerin tanzen.”

Aufbau der Kugel am Nachmittag. Screenshot: facebook.com/yellow.sub.muenchen/ Mirko Hecktor

Das Münchner Happening erwies der Branche Respekt – corona-konform mit Hygiene-Konzept und maximal 200 Menschen. Ein großes Team aus Freiwilligen rund um Aktivist Max Zeidler, die Kostümbildnerin Pascale Martin, und den freien Theatermacher Benno Heisel schuf gemeinsam den temporären öffentlichen Ort an der Leopoldstraße.

Soweit möglich, gab es für die Akteure angemessene Honorare, es wurde legal erworbene Musik gespielt, für die große Living-Dome-Kugel-Installation des Künstlers Dominik Ziliotis aus Basel wurde eine Rechnung bezahlt und Bühnen-Technik geliehen. „Es gab keine Kultur-Förderung durch die Stadt München oder andere Akteur*innen – viel Zeit ist hingegen ins Formulieren von Anträgen geflossen und in Versuche, wenigstens einmal jemanden vom Kulturreferat persönlich zu treffen – ohne Erfolg. Trotzdem macht das Kern-Team weiter“, erklärt Zeidler.

Videosequenzen von der Aktion finden sich hier:

https://vimeo.com/manage/videos/566991225

https://vimeo.com/manage/videos/566991038

https://vimeo.com/manage/videos/566990873

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