Meister des Dialekts, des Haikus und Humors wird 75

Am 07. November feiert Fitzgerald Kusz (Rüdiger) seinen 75. Geburtstag. Der Bundesvorstand des VS gratuliert dem Schriftsteller-Kollegen sehr herzlich und erinnert sich besonders „an seinen großen Sinn für Humor, seine Liebe zum Dialekt und seine besonders intelligenten und lebendigen Haikus“.

Fitzgerald Kusz (Rüdiger), Sohn einer Fränkin und eines Berliner Opernsängers, wurde in Nürnberg geboren. Nach dem Abitur studierte er Germanistik und Anglistik in Erlangen. Er arbeitete viele Jahre als Englischlehrer, seit 1982 lebt er als freischaffender Schriftsteller. Kusz ist Mitglied im VS, im  PEN-Zentrum Deutschland, bei den Münchner Turmschreibern und in der Deutschen Akademie der Darstellenden Künste.

In der Würdigung des Jubilars durch den VS-Vorstand heißt es: Seine ersten Auftritte hatte er 1967 mit Peter Handke und zwei Beat-Bands in Erlangen. Am Anfang schrieb er Gedichte auf hochdeutsch, die noch im Zeichen der „Pop-Poesie“ standen. Aber nach dem Vorbild der Wiener Gruppe um H. C. Artmann wandte sich Kusz ab 1970 der Mundart zu. In fränkischem Dialekt veröffentlichte er Gedichte, Drehbücher für Film- und Fernsehen, Theater- und Hörstücke sowie Songs. Anläßlich seines 70. Geburtstags sagte er 2014 im Bayerischen Rundfunk: „Ich bin als Dialektsprecher aufgewachsen. Fränkisch war meine erste Sprache, mein Muttersprouch. Meine zweite Sprache war das Berlinerisch meines Vaters. Wahrscheinlich hat das Spannungsfeld zwischen den beiden Dialekten mein Ohr hellhörig gemacht für das, was Sprache vermag. Auf dem Gymnasium und der Uni wollte man mir meinen Dialekt austreiben. Es ist nicht gelungen. Der Dialekt war stärker.“ Und in einer Leseprobe auf seiner Website schreibt er: „Dialekte sind Delikatessen. Da wird noch mit dem Ohr gegessen.“

Das in der Tradition des Volksstücks von Ödön von Horváth und  Marie-luise Fleißer beeinflusste Theaterstück „Schweig, Bub!“ (1976), das allein in Nürnberg mehr als 700-mal aufgeführt und in 13 deutsche Dialekte übertragen wurde, war sein bislang größter Erfolg. Es stand 34 Jahre lang mit 730 Vorstellungen bis 2010 auf dem Spielplan. Rund 40 Jahre nach der Uraufführung übertrug Kusz sein Erfolgsstück ins Hochdeutsche und aktualisierte es dabei.

Die zweite Auflage seines Gedichtbands „Der Vollmond über Nämberch“, der Gedichte aus 40 Jahren präsentierte, erschien zu Kusz‘ 70. Geburtstag. 2015 erschienen die Haikus „Guuder Moond“. In seinem späteren Gedichtband „Nämberch-Blues“ (2017), der Experimente mit verschiedenen literarischen Formen wagte, bewies er wieder seine unendliche Sprachlust als „unverbesserlicher Philologe“.

Der Dialektdichter Fitzgerald Kusz erhielt viele Auszeichnungen, u.a.:

Förderpreis der Stadt Nürnberg für Literatur, Hans-Sachs-Preis, Wolfram-von-Eschenbach-Preis, Friedrich-Baur-Preis der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, August-Graf-von-Platen-Preis.

 

 

nach oben

weiterlesen

Mit am Narrativ der Gesellschaft schreiben

Eine komplette personelle Neuaufstellung im Vorstand, angeregte Debatten über ein Dutzend Anträge und geänderte Aufnahmekriterien in den Schriftsteller*innenverband sind Ergebnisse der 5. Bundesfachgruppenkonferenz Literatur, die am 16. Februar 2019 im Rahmen des viertägigen VS-Kongresses tagte. Mit einer „Aschaffenburger Antwort“ wandten sich die Teilnehmer*innen gegen Hass, Rassismus und andere Formen der Ausgrenzung: „Für uns ist Demokratie nicht verhandelbar.“
mehr »

Rückenwind nicht nur für die Berliner

„Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum“, schrieb Friedrich Nietzsche schon 1889. „Ohne Musik wäre die Gesellschaft längst kollabiert“ lautete ein bejubelter Satz des Jenaer Soziologen Hartmut Rosa auf dem Kongress des Verbandes der Musikschulen vom 17. bis 19. Mai in der Kongresshalle am Alexanderplatz. Das Programm bot neben Arbeitsgemeinschaften zu unterschiedlichsten Bereichen zwei interessante Plenumsvorträge und diverse Themenforen. Umrahmt wurde es von den zwölf Berliner Musikschulen. Deren Situation war Thema einer Podiumsdebatte.
mehr »

Längst noch kein Ende der Bescheidenheit

Mit der Gründung des Verbandes der Schriftsteller (VS) 1969 organisierten sich Einzelgänger*innen, um gemeinsame Interessen durchzusetzen. "Seit 50 Jahren stehen der VS und die Bundessparte der Übersetzer*innen für einen Zusammenschluss der Kreativen - die eben nicht 'allein' sind", heißt es im Glückwunsch von Gewerkschafts-Vize Frank Werneke an den Berufsverband unter dem Dach von ver.di. Der VS feierte vier Tage lang in Aschaffenburg: Mit Festakt und Rückblick, mit Lesungen und Delegiertenkonferenz, aber auch mit zukunftsweisender Debatte: Literatur unter Strom.
mehr »

Nachruf für unseren Kollegen Hans Kraft

Er wird fehlen: Unser Kollege Johannes Kraft, seit 25 Jahren als Gewerkschaftssekretär in Bayern vor allem für die Betreuung der Kunstfachgruppen zuständig, ist am 25. November 2018 nach langer, schwerer Krankheit im Alter von nur 58 Jahren gestorben. Er sei „mit großem Sachverstand, Hilfsbereitschaft und permanentem Einsatz“ tätig gewesen, so der ver.di-Landesbezirk Bayern in einem Nachruf.
mehr »