Musikschulen öffnen und vorrangig impfen

Foto: ver.di

Der Unterricht an allgemeinbildenden Schulen hat schrittweise wieder begonnen. Für die Musikschulen gilt das nicht bundesweit. In Niedersachsen-Bremen fordert ver.di die Öffnung von Musikschulen mit Hygienekonzept und die priorisierte Impfung der Musikschullehrer*innen. Auch in Berlin wird kritisiert, dass Präsenzunterricht an den Musikschulen noch nicht zugelassen ist.

Bereits Mitte Februar hat die ver.di-Landesfachgruppe Musik Niedersachsen-Bremen von der Landespolitik gefordert, sich für eine Sonderregelung für Musikschullehrkräfte im Lockdown einzusetzen. In einem Schreiben an die zuständigen Landesministerien hieß es: „Die Musikschulen als Einrichtungen musisch-kultureller Bildung sollen wieder öffnen, um wenigstens Einzel- und Kleingruppenunterricht in Präsenz erteilen zu dürfen. In Hessen und Bremen besteht diese Sonderregelung schon. Zudem hatten die Musikschulen in Niedersachsen im ‚Lockdown light‘ bis zur vorletzten Woche vor den Weihnachtsferien schon unter der Maßgabe operiert ausschließlich Einzel- und Kleingruppenunterricht in Präsenz zu erteilen.Die durchweg positiven Erfahrungen zeigen, dass eine Öffnung für die o. g. Unterrichtsformen auch jetzt wieder möglich sein könnte.“

Kommunale Musikschulen hätten in großen Teilen Hygienekonzepte erarbeitet, die den Schutz von Schüler*innen und Lehrenden gewährleisten. Dazu gehören Zugangswege, Lüftungskonzepte, FFP2-Masken und die Einhaltung der AHA-L Regeln. Auf Gruppengrößen kann geachtet, wechselnde Teilnehmer können vermieden werden. „Alles in allem kann in Musikschulen genauso gut oder besser ein Infektionsschutz umgesetzt werden wie in anderen Bildungseinrichtungen“, hieß es in dem ver.di-Schreiben. Dennoch ist die Öffnung der Musikschulen im Land laut der aktuellen Verordnung vom 8. März nicht vorgesehen.

Das gilt auch in der Bundeshauptstadt. Laut der gerade bekannt gewordene Zweiten SARS-CoV-2-Infektionsschutzmaßnahmenverordnung vom 4. März 2021 sei der Präsenzunterricht an Berliner Musikschulen weiter verboten. Der Landesmusikrat Berlin kritisiert diese Entwicklung. So erinnert die Präsidentin des Landesmusikrats Berlin Hella Dunger-Löper: „Während im Sport bereits Gruppen zusammen kommen dürfen, soll in den Berliner Musikschulen der Unterricht in Präsenz, der zu einem großen Teil als Einzelunterricht erteilt wird, bis Ostern nicht gestattet sein. Das ist nicht nachvollziehbar. Wir fordern für die Berliner Musikschulen eine zeitnahe Nachbesserung. Hygienekonzepte für eine entsprechende stufenweise Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts an den Musikschulen liegen seit April letzten Jahres vor.“

ver.di Niedersachsen-Bremen hat sich in einem weiteren Brief an die politisch Verantwortlichen in Landesministerien und beim Bund für die vorrangige Impfung von Musikschullehrkräften stark gemacht.

Es wird argumentiert: „Durch die neue Fassung der Impfverordnung vom 25. Februar 2021 gehören nun ‚Personen, die in Kinderbetreuungseinrichtungen, in der Kindertagespflege und in Grund-, Sonder- oder Förderschulen tätig sind‘ in die 2. Gruppe (hohe Priorität) bei den Corona-Schutz-Impfungen. Der Großteil der Musikschul-Lehrkräfte arbeitet teilweise in Kooperationen in schulischen und ähnlichen Kinderbetreuungseinrichtungen. Aus diesem Grund fordern wir, auch die Musikschullehrkräfte zur 2. Gruppe (hohe Priorität) hinzuzufügen.“

Sobald wie möglich sollte allen Musikschul-Beschäftigten unbürokratisch ein Impfangebot gemacht werden, bevor die Musikschulen zum Regelbetrieb bei den Kooperationspartnern zurückkehren: „Unsere Beschäftigten in diesem Bereich brauchen den gleichen Schutz, wie die anderen Kolleg*innen, die im Bildungsbereich tätig sind.“ Bisher habe sich nur der kulturpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Niedersächsischen Landtag zu dem Schreiben geäußert, erklärt Sebastian Grothey, Vorsitzender der ver.di-Landesfachgruppe Musik Niedersachsen-Bremen.

Aktualisierung am 10. März: Die Forderung „Wir brauchen Präsenzunterricht“ erhoben die ver.di-Fachgruppe Musik Berlin/Brandenburg und die Landeslehrervertretung Berliner Musikschulen e.V. gestern in einem gemeinsamen Brief an Kultursenator Klaus Lederer: „Es ist für uns schlicht nicht mehr nachvollziehbar, warum nunmehr seit Mitte Dezember an den Musikschulen überhaupt kein Unterricht mehr stattfindet und auch nach dem jüngsten Bund-Länder-Treffen keine Öffnung in Erwägung gezogen wird. Aus unserer Sicht müsste mindestens für den Einzelunterricht sofort wieder geöffnet werden und Kleingruppen-Unterricht, für den die Einhaltung von Abstands- und Hygieneregeln garantiert werden kann, sollte doch auch möglich sein.“ Weiter heißt es: „Der Schaden, den die weiter andauernde Schließung anrichtet, ist aus unserer Sicht im Verhältnis zum Risiko unverhältnismäßig hoch. Schülerinnen und Schüler wandern ab, neue können nicht aufgenommen werden … und viele Lehrkräfte kehren in Ermangelung einer Existenzgrundlage der Musikschule den Rücken, unterrichten privat, erwägen den Quereinstieg in den Schuldienst oder suchen sich gänzlich andere Betätigungsfelder. So gehen die Musikschulen kaputt.“ Lederer wird nachdrücklich aufgefordert: „Sorgen Sie dafür, dass das nicht passiert!“

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