Musikalischer Protest landesweit in NRW   

Lehrer*innen der Rheinischen Musikschule protestieren in der Kölner Innenstadt gegen prekäre Beschäftigung. Foto: Jürgen Seidel

Mit aufsehenerregenden Aktionen machten Musikschullehrer*innen in NRW am vorletzten August-Samstag auf die miserablen Arbeitsverhältnisse der Honorarkräfte aufmerksam: Kein Lohn bei Krankheit und in den Schulferien, kein Zugang zur Arbeitslosenversicherung, keine Mutterschutzregelung und deutlich zu geringe Honorare. Das sei nicht erst seit der Corona-Krise so und müsse sich grundlegend ändern. Sarah van Dawen-Agreiter, Gewerkschaftssekretärin für Kunst und Kultur, sieht die Kommunen „in der Verantwortung, prekäre Arbeit zurückzudrängen – nicht, sie selbst zu nutzen, um auf dem Rücken der Lehrkräfte zu sparen“.

In Wiesdorf demonstrierten die Honorarkräfte der Musikschule Leverkusen – wie auch in Leichlingen und anderen Städten – für eine faire Bezahlung durch Festanstellung, berichtete die Rheinische Post Online. Musikschüler*innen unterstützten ihre Lehrer*innen vor dem Rathaus.  Per Megaphon verdeutlichte Musikpädagoge Martin Ehrhardt (Sprecher der Honorarkräfte an der Musikschule Leverkusen sowie Mitglied im Bundes- und Landesvorstand der ver.di-Fachgruppe Musik): „Es ist allerhöchste Zeit, dass unsere Forderungen umgesetzt werden.“ Ob sich eine Stadt eine gesunde Bildungseinrichtung mit festangestellten Musikpädagogen leiste, sei „stets eine Frage des politischen Willens“, so Ehrhardt. Mehrere Lokalpolitiker zeigten sich solidarisch mit Lehrkräften.

Auch auf dem alten Markt in Hilden wurde auf die großen Unterschiede bei der Bezahlung zwischen angestellten Lehr- und den Honorarkräften aufmerksam gemacht. Musikalische Proteste gab es vor dem Rathaus in Aachen ebenso wie in Düsseldorf und Köln. Die Kolleg*innen von der Beethoven Musikschule in Bonn hatten für den ver.di-Aktionstag unter anderem einen Rap komponiert. Sie gingen bereits zum zweiten Mal auf die Straße, nachdem sie am 12. August vor der Sitzung des Bonner Kulturausschusses für mehr Festanstellungen und eine  Lohnfortzahlung im Krankheitsfall demonstriert hatten. Mit Trommeln und guten Argumenten besuchten die Musikschul-Lehrkräfte in Frechen die Wahlkampfstände der Parteien im Zentrum der Stadt, um mehr soziale Sicherheit einzufordern.

„Angesichts der anstehenden Verrentung von 30 Prozent der Musikschullehrkräfte in den kommenden zehn Jahren, wäre es auch im Sinne der Kommunen, durch gute Arbeitsbedingungen Fachkräfte zu binden“, erklärte Katarina Schutzius, Sprecherin der ver.di-Betriebsgruppe bei der Musikschule Leverkusen in einer Medieninformation. „Prekäre Arbeitsbedingungen führen zu einer überhöhten Arbeitsbelastung des Lehrpersonals und befördern eine qualitative sowie personelle Erosion der Musikschule nach innen und nach außen“, ergänzt Wolfgang Ruland, einer der Sprecher*innen der Musikschullehrkräfte in Köln.

Deshalb fordern die Musikschul-Lehrkräfte: eine grundsätzliche Beschäftigung mittels sozialversicherungspflichtiger und tarifgebundener Festanstellung für alle Mitarbeiter*innen der kommunalen Musikschulen, im Falle einer Honorarbeschäftigung mindestens aber eine den Tarifverträgen gleichwertige Vergütung; Lohnfortzahlung im Krankheitsfall; die Dynamisierung der Honorare, stets gleichwertig an den Tarifvertrag des Öffentlichen Dienstes angelehnt; ein  kostenloses Jobticket für alle Mitarbeiter*innen, auch Honorarkräfte, sowie vorrangige eine Stellenvergabe an langjährige Honorarmitarbeiter*innen.

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