In Mettmann siegten Musik und Vernunft

Auf den gemeinsamen Erfolg in Mettmann durfte angestoßen werden.
Foto: ver.di FG Musik

Erfolg an der Musikschule der Kreisstadt Mettmann in Nordrhein-Westfalen: Pläne der Kommune, die Verträge von etwa drei Viertel der angestellten Lehrkräfte zu kündigen und sie stattdessen auf Honorarbasis zu beschäftigten, sind nach konzertierten Protesten in den vergangen Monaten mit einem neuen Beschluss der Stadtverordneten weitgehend vom Tisch.

Initiiert durch die dortige ver.di-Betriebsgruppe, unterstützt von der ver.di-Landesfachgruppe Musik, vom Landesverband der Musikschulen NRW und nicht zuletzt auch von Eltern betroffener Schüler*innen und schließlich durch eine Meinungsänderung der Mehrheit der Abgeordneten des Mettmanner Stadtrates konnte ein vorangegangener Beschluss revidiert werden:
Aus „Vorsicht“ waren seinerzeit allen Honorarkräften der Musikschule Arbeitsverträge auf Basis des TVöD angeboten worden. Hintergrund war eine schwebende Entscheidung des Bundessozialgerichtes (BSG) in der Frage des sozialversicherungsrechtlichen Status eines Honorarbeschäftigten einer anderen Musikschule, in deren Folge die Möglichkeit von Honorarbeschäftigung an Musikschulen hätte generell in Frage gestellt werden können. Nach der Entscheidung des BSG sollten alle Verträge „rückabgewickelt“ werden, die betroffenen Kolleg*nnen also wieder in den Status einer Honorarkraft zurückfallen.

Das Plakat zur Aktion
Foto: ver.di FG Musik

Mettmann als Kreisstadt sende auch ein falsches Signal in Richtung der anderen neun Städte des Kreises, sagte Martin Erhard von ver.di im Mai auf einer Infoveranstaltung. Auch wenn die „Kassen klamm sind“ dürften Sparzwänge nicht dazu verleiten, bei der musikalischen Förderung der Kinder und Jugend den Rotstift anzusetzen. „Im Übrigen haben sich die Kommunen im ‚Stuttgarter Appell‘ von 2016 darauf verständigt, dass Musikschulen nur mit festen Kräften betrieben werden sollen“, argumentierte Rudi Sodemann, stellvertretender Vorsitzender des Landesverbandes der Musikschulen. Lehrer und Eltern nutzten auch die Sitzung des Schulausschusses zum Protest.

Mitglieder der ver.di-Betriebsgruppe, des Landesfachgruppenvorstandes und des Musikschulfördervereins feiern mit den Kolleg*innen den Erfolg.
Foto: ver.di FG Musik

Der gemeinsame und solidarische Widerstand eines Großteils aller Betroffenen konnte schließlich eine politische Entscheidung zugunsten der Musikschullehrer*innen bewirken. Im Ergebnis sollen nur noch Lehrkräfte unter einem Lehrdeputat von sieben Unterrichtsstunden unter kräftiger Honorarerhöhung prekär beschäftigt werden. Dies betrifft dann in Mettmann nur noch drei Kolleg*innen. Diese Entscheidung vermindert die „Einsparung“ im Stadtsäckel auf etwa 10.000 Euro jährlich. Stattdessen sichert sie dem weitaus überwiegenden Teil der betroffenen Musikschullehrer*innen wieder ein angemesseneres Einkommen und vor allem soziale Absicherung. Das Ergebnis zeigt, dass auch die Frage der Beschäftigungsverhältnisse an Musikschulen primär eine gesellschaftspolitische Entscheidung ist. Ein breites Bündnis aus Gewerkschaft und Bürgern konnte in Mettmann sprichwörtliche Berge versetzen und auf demokratische Art und Weise politische Entscheidungen beeinflussen. Ein Beispiel, das Schule machen sollte!

 

 

nach oben

weiterlesen

Bremen: Mehrzahl der Musiklehrer*innen fest

"Nachdem wir 2015 an der Musikschule Bremen eine Sprechergruppe der Honorarkräfte gebildet hatten, haben wir durch unermüdliche Verhandlungen und Aktionen erreicht, dass die meisten Honorarkräfte seit dem 1. Januar 2021 eine Festanstellung nach dem TvL haben. Dabei wurde die Berufserfahrung an der Musikschule bei der Einstufung voll anerkannt", berichtet Christian Janssen für die Sprechergruppe.
mehr »

Die Messlatte liegt nun, wo sie hingehört

Grundsätzlich Festangestellte in der kommunalen Musikschule? So sah es ein gemeinsamer Antrag von drei Stadtparlamentsfraktionen in Leverkusen vor. Und so wird es kommen. Denn am 22. März 2021 wurde im Rat abgestimmt: 42 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen, eine Gegenstimme. Ein sehr überzeugendes Votum.
mehr »

Musikschule Mettmann muss offen bleiben!

Gegen die Schließung der Musikschule in Mettmann, die von den Fraktionen von CDU und FDP im Stadtrat betreiben wird, demonstrierten vor der Finanzausschusssitzung am 9. März 2021 rund fünfzig betroffene Musikschullehrer*innen zusammen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, dem Förderverein und Eltern. "Die Musikschule als kultur- und bildungspolitische Errungenschaft muss erhalten bleiben", so Eltern bei der Aktion vor der Stadthalle.
mehr »

Musikschulen öffnen und vorrangig impfen

Der Unterricht an allgemeinbildenden Schulen hat schrittweise wieder begonnen. Für die Musikschulen gilt das nicht bundesweit. In Niedersachsen-Bremen fordert ver.di die Öffnung von Musikschulen mit Hygienekonzept und die priorisierte Impfung der Musikschullehrer*innen. Auch in Berlin wird kritisiert, dass Präsenzunterricht an den Musikschulen noch nicht zugelassen ist.
mehr »