Ein Gedenktag zum 80. für Wolfgang Hilbig

Die frisch enthüllte Gedenktafel für Wolfgang Hilbig. Foto: R. Möbius

Vor 80 Jahren, am 31. August 1941, wurde Wolfgang Hilbig geboren. Franz Fühmann sah ihn Arm in Arm mit Rimbaud und Novalis durch die Tagebauwüste ziehen, für den Leipziger Kollegen Thomas Böhme war er die „zärtlichste Stimme“ der Finsternis. Der runde Geburtstag war in Leipzig Anlass zu einer literarischen Würdigung und zur Enthüllung einer Gedenktafel an Hilbigs ehemaligem Wohnhaus.

In der Spittastraße 19 im Stadtteil Lindenau hatte er in den 1980er Jahren gewohnt. In jener Zeit, 1983, erschien im Reclam Verlag sein Buch „Stimme Stimme“ mit Gedichten und Kurzprosa, es war Hilbigs einzige Veröffentlichung in der DDR. 1985 verließ er das Land. Später lebte er in Berlin, wo er am 2. Juni 2007 im Alter von 65 Jahren starb.

Die Stadt Leipzig und die Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft nahmen den runden Geburtstag zum Anlass, am Wohnhaus in der Spittastraße eine Gedenktafel einzuweihen, gestaltet von der Leipziger Künstlerin Franziska Neubert. Etwa 40 Weggefährten, Literaturinteressierte und Freunde des Schriftstellers waren zur Enthüllung der Tafel gekommen. Der Vorsitzende der Wolfgang-Hilbig-Gesellschaft e.V., Volker Hanisch würdigte Hilbig in sehr persönlichen Erinnerungen als einen Schriftsteller mit „überwältigender Sprachmacht“.

Gut erinnerlich ist mir, dass unser Leutzscher Pfarrer Martin Lösche und ich Gert Neumann, Wolfgang Hilbig und andere Schriftsteller und Liedermacher, die in der DDR der 80er Jahre keine Auftrittsmöglichkeiten hatten, in dieser Zeit in den Kirchenraum einluden. Das war nicht ganz ungefährlich. Damals las er aus seinem Band „Stimme, Stimme“. Unter dem Ladentisch hatte ich dieses Buch kaufen können im Tausch gegen ein Pfund Westkaffee.

Eine literarische Geburtstagsfeier fand ebenfalls am 31. August nachmittags im Garten hinter dem Literaturhaus Leipzig statt – mit Diskussionen, Statements, Essays und einer Geburtstagsrede. Mitwirkende waren u.a. Kerstin Hensel, Katja Lange-Müller, Ingo Schulze, Sebastian Kleinschmidt, Andreas Platthaus, Helmut Böttiger, Michael Hametner, Johannes Heisig, Sighard Gille, Clemens Meyer.

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