Erlebbares schaffen und davon leben (können)

Deckblatt Flyer

Startschuss für das „Jahr der Kulturschaffenden 2021“ gegeben

Inzwischen ist das bundesweite Projekt „Jahr der Kulturschaffenden 2021“ an den Start gegangen. Initiiert haben es die gewerkschaftliche AG Kunst und Kultur und Anja Bossen, die Kunst- und Kulturbeauftragte von ver.di. „Unser Ziel ist es, die Arbeit von Menschen, die in künstlerischen Berufen und in der Kulturbranche tätig sind, gesellschaftlich sichtbar zu machen“, so die Kulturbeauftragte.

Sie und die Mitglider der Arbeitsgruppe sagen: Der monatelange Stillstand der Kultur und die Diskussionen um die nicht passenden Corona-Hilfen haben die – schon lange zuvor bestehenden – strukturellen Schwächen im Bereich von Kunst und Kultur nochmals deutlich offengelegt, allem voran die viel zu geringen Einkommen und mangelhafte soziale Absicherung. Die Menschen, die in diesen Bereichen arbeiten, sind in der Gesellschaft und in der Politik nach wie vor viel zu wenig präsent – trotz aller Sonntagsreden.

Kitt und Besonderes zugleich

Aber: Sie sind es, die den „Kitt“ für das gesellschaftliche Zusammenleben bilden. Und die zugleich ersehnte besondere Momente im Alltag setzen. Sie produzieren Gemeinsamkeiten, aber auch die seit vielen Monaten schmerzlich vermissten Höhepunkte im Leben der Menschen, sie reflektieren seismografisch die gesellschaftliche Lage, geben aber auch Instrumente und Wege an die Hand, besser mit Widrigkeiten und Herausforderungen klarzukommen. Sie helfen zu Erkenntnissen, versprühen Energie. Doch sie haben auch selbst Angst, befinden sich – oft seit Langem zwangsausgebremst – ohne Einkommen ­in finanziellen Nöten und bedrohlicher Lage. Staatliche Hilfen passen vielfach nicht zu ihrer beruflichen und Lebensrealität.

„Wir informieren, bilden, gestalten, inspirieren oder beraten Menschen. Wir bereichern. Jetzt hängt unsere Existenz am seidenen Faden. Das gesellschaftliche Leben hängt am seidenen Faden“, sagen die Aktiven aus Niedersachsen-Bremen, die eine Kampagne „Ohne uns läuft es nicht!“ gestartet haben und sich mit kurzen Videobotschaften vorstellen. Ohne uns läuft es nicht. Das gilt nicht nur für sie.

Bildende und darstellende Künstler*innen – Maler, Grafikerinnen, Bildhauer und Karikaturistinnen, ­Schriftsteller, Lyrikerinnen, Autoren, Fotografinnen, Musiker und Musikschullehrerinnen, Bandleader, aber auch Verlagslektorinnen, Veranstaltungstechniker, Galeristinnen, Musikmanager und Festivalmacher*innen – sie alle sind kreative Scharniere zwischen Einzelnen und Gesellschaft. Sie arbeiten hart. Oft sind sie Geistesarbeiter und Handwerker in einer Person. Sie schaffen Erlebbares. Sie tun das mit Freude und Herzblut. Aber sie müssen auch davon leben.

Zeigen, wer wir sind

Diese Zusammenhänge sind – so zeigte sich 2020 allerorten – oft in der Öffentlichkeit nicht klar genug. Wie arbeiten Kulturschaffende? Sind bisherige Modelle und Beschäftigungsformen weiter tragbar? Politiker*innen haben da Informationsbedarf, aber auch manche/r andere.

Es hilft nur: „Gehen wir also raus und zeigen, wer wir sind, was wir tun und dass das Schaffen von Kunst und Kultur Arbeit und keinesfalls nur ein Hobby ist!“ So heißt es im Aufruf zum Jahr der Kulturschaffenden. „ver.di weiß viel, und kann viel erreichen. Wir haben in vielfältigen und passgenauen Verträgen und Vereinbarungen bessere Honorare, mehr Gleichstellung und klarere Arbeitszeiten für künstlerische und kreative Berufe erreicht. Ob KSK, Urheberrecht oder Kulturpolitik: Wir decken das gesamte Spektrum ab, in dem sich kulturelles Schaffen bewegt!“, erklärt Anja Bossen. Die ver.di-Kunst- und Kulturbeauftragte meint auch: „Die Einschränkungen zur Bekämpfung der Corona-Pandemie zeigen im Brennglas, wie stark die Bedingungen professionellen künstlerischen Arbeitens von der Arbeit in anderen Branchen abweichen. Deutlich werden aber auch Gemeinsamkeiten mit anderen Selbstständigen und anderen projektbasierten Arbeitsformen.“

Das Jahr der Kulturschaffenden soll Raum und Gelegenheiten verschaffen, sich zu präsentieren, Positionen klarzumachen, Debatten anzuregen, Netzwerke zu knüpfen und Partner zu suchen. Angesprochen sind alle, ob festangestellt oder selbständig, ob auf oder mehr hinter der Bühne tätig. Kreative Ideen und Aktionen sind gefragt: Ob Texte, Musik, Performance oder Bilder, ob Kundgebung, Fotostrecke, Installation – ob zum Lesen, Schauen oder Hören. Hauptsache öffentlich.

„Bitte beteiligt Euch an diesem Projekt“ und verbreitet die Idee auch an Nicht-Mitglieder, heißt es im Appell der ver.di-Kulturbeauftragten. Auch außerhalb sind Gleichgesinnte gesucht, die den Weg zur Gewerkschaft (noch) nicht gefunden haben oder zunächst Partner auf Zeit sein wollen. „Denn nur wenn wir viele sind, werden wir mehr Aufmerksamkeit bekommen und bessere Bedingungen durchsetzen können.“

Mit Ideen, konkreten Vorschlägen oder Anfragen könne sich Aktive an ver.di vor Ort oder an Kulturschaffende@verdi.org wenden.

„Kunst + Kultur Online“ wird über Aktivitäten im „Jahr der Kulturschaffenden“ kontinuierlich berichten. Die Dokumentation von Aktionen und Initiativen zum Projekt auf ver.di-Webseiten wird mit Aufwandsentschädigungen vergütet.

Weitere Informationen stehen hier.

nach oben

weiterlesen

Was tun für faire Arbeit in Kunst und Kultur?

Die Coronakrise erschüttert die Kulturbranche im Fundament. Das strahlt weit in die Gesellschaft aus. Was aus der Situation für den Kulturbereich zu lernen ist, debattierte die Bundestagsfraktion Die Linke mit Gästen. „Kultur. Klasse. Krise“ war die gemeinsame Veranstaltung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 9. März überschrieben. ver.di-Gewerkschaftssekretärin Lisa Basten und andere Experten waren aufs digitale Podium geladen.
mehr »

Trotz Zweitjob weiter in der KSK versichert?

Durch die Maßnahmen zur Eindämmung der Corona-Pandemie haben sich die Erwerbsmöglichkeiten für Künstlerinnen und Künstler aller Sparten radikal verändert und wurden in Teilen zum Erliegen gebracht. Insbesondere für freischaffende Kreative sind die Auswirkungen immens. Zu wegbrechenden Einkommen und erschwertem Zugang zu Hilfszahlungen kommt der drohende Verlust der Krankenversicherung über die Künstlersozialkasse (KSK).
mehr »

Kreative beim Urheberrecht ohne wirksamen Schutz

Das Bundeskabinett hat am 3. Februar 2020 den Gesetzentwurf für die Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform in deutsches Recht gebilligt. Im „weitgehend unter Vermeidung von Öffentlichkeit“ erfolgten Gesetzgebungsverfahren fehle es weiter an wirksamen Schutzmechanismen für die Kreativen, kritisiert ver.di. Die Gewerkschaft sieht den Regierungsentwurf als einen "Kotau vor den Interessen der Zeitungsverleger und Verwerter".
mehr »

Urheberrecht: ver.di fordert Möglichkeit der Verbandsklage

Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (ver.di) fordert die erweiterte Möglichkeit von Verbandsklagen zur Durchsetzung der Vergütungsansprüche von Urheberinnen, Urhebern, Künstlern und Künstlerinnen. In einem Brief an das Kanzleramt sowie die Ministerien, die eine EU-Richtlinie zum Urheberrecht umsetzen müssen, wird kritisiert, dass der sozialen Funktion des Urheberrechts in den bisher gemachten Vorschlägen nicht ausreichend Rechnung getragen werde, heißt es in einer Pressemitteilung.
mehr »