Wie wir leben wollen – ver.di wählte neue Kulturbeauftragte

Anja Bossen unmittelbar vor ihrer Wahl zur ver.di-Beauftragten für Kunst und Kultur
Foto: Kay Herschelmann

Die Delegierten des 5. ver.di-Bundeskongresses haben am Abend des 24. September Dr. Anja Bossen zur neuen Kunst- und Kulturbeauftragten von ver.di gewählt. Die Musikerin und Instrumentalpädagogin war von den Kunstfachgruppen der Gewerkschaft als Kandidatin für das Amt gewählt und dem Kongress vorgeschlagen worden. Dort wurde sie einhellig für die Funktion bestätigt.

Die Wahl der ver.di-Kunst- und Kulturbeauftragten beschloss einen aufregenden Kongresstag, an dem zuvor bereits der Gewerkschaftsrat und der Bundesvorstand neu gewählt worden waren. Der neue ver.di-Vorsitzende Frank Werneke gehörte zu den ersten Gratulanten, die Anja Bossen Kraft und Glück für die neue Herausforderung wünschten.

Anja Bossen hatte sich den Delegierten vorgestellt und Vorstellungen von ihren künftigen Aufgaben umrissen:

Sie arbeite nun an der Universität Potsdam, sei aber den bisher größten Teil ihres Berufslebens als Musikerin und Querflöten-Musikschullehrerin auf Honorarbasis prekär beschäftigt gewesen. Da sie prekäre Beschäftigung nie als «normal» ansehen könne, engagiere sie sich seit vielen Jahren in der Musikfachgruppe von ver.di und übernahm Vorstandsfunktionen. Die künstlerischen ver.di-Fachgruppen hätten in den vergangenen Jahren viel geschafft, so Bossen, «dennoch ist die soziale Situation der Kulturschaffenden in Deutschland noch deutlich verbesserungswürdig».

Doch «Kunst und Kultur gehen alle an», so die Kandidatin. Sie sehe sich als Sachwalterin der kulturellen Interessen aller Mitglieder. Kulturpolitik sei Gesellschaftspolitik, es gelte auch neue Allianzen zu schmieden, wie etwa die Bewegung «Wrighters for Future» bei den Schriftstellern beweise. Um ver.di als Kunst- und Kulturgewerkschaft noch besser bekannt zu machen, setze sie noch mehr auf die Jugend, Migrant*innen oder den Bildungsbereich. «Ich kann mir auch vorstellen, einen Tag der Kulturschaffenden in ver.di zu etablieren oder an Streiks anderer Fachgruppen teilzunehmen. Warum nicht mal Tarifverhandlungen mit Pauken und Trompeten?», fragte Anja Bossen.

Künste seien schon immer auch selbst Teil von Gewerkschaftsarbeit, sie trete dafür ein, diese Tradition wieder aufzunehmen. «Kunst und Kultur entscheiden mit, wie wir leben wollen. Und wir wollen in Würde leben und arbeiten.» Rassismus, Ausgrenzung und Hetze seien da fehl am Platze. Sie halte es mit Herbert Grönemeyer, als der seinem Publikum zurief: Keinen einzigen Millimeter nach rechts!

In einer offenen Abstimmung gaben die Delegierten Dr. Anja Bossen ihr Vertrauen als zweite Kunst- und Kulturbeauftragte in der Geschichte von ver.di. Sie übernahm damit symbolisch den Staffelstab und löst die Schriftstellerin Regine Möbius ab, die das Amt erstmals innehatte und zwölf Jahre lang ausfüllte.

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