Schluss mit lustig? Cartoonlobby sucht Museumsräume

Mit Gesichtsmaske, Abstand und vorgegebener Wegführung ist die letzte Ausstellung im Cartoonmuseum Brandenburg in Luckau zu betrachten. Foto: Birgit Keilbach

Die Ausstellung „Friede, Freude … Eierkuchen? – Karikaturen zum Kalten Krieg & fragilen Frieden von 1945 bis heute“ im Cartoonmuseum Luckau läuft noch bis 1. November. Es droht die vorerst letzte Schau der „Cartoonlobby“ zu werden. Der bundesweite Verband von Zeichnerinnen und Zeichnern kämpft um den Erhalt seines Museums, sucht deshalb neue Räume in der Hauptstadtregion und wirbt um Unterstützung für die „Stiftung Museen für Humor und Satire“.

Zehn Jahre hatte das Cartoonmuseum Brandenburg seinen provisorischen Standort im Erdgeschoss des Kreisarchivs von Luckau. Auf 150 Quadratmetern drängten sich dort Ausstellung, Arbeitsräume, Sammlung, Archiv und Bibliothek sowie ein kleiner Museumsshop in einer Art Mischnutzung auf engstem Raum. „120 Objekte konnten wir im Schnitt zeigen“, erklärt Andreas Nicolai, Geschäftsführer des Cartoonlobby e.V. Das sei stets nur ein Bruchteil des Bestandes gewesen, „wir sind permanent an Grenzen gestoßen und mussten uns eher in Reduktion üben“. Doch sei es gelungen, immer wieder interessierte Besucher zu Ausstellungen und Veranstaltungen in die Gartenstadt zwischen Berlin und Dresden zu locken. Nun enden die Aktivitäten in Luckau definitiv.

Museum und Sammlung suchen seit Längerem einen geeigneten und bezahlbaren neuen Standort in Berlin, Potsdam oder deren Nähe. „Wir wenden uns jetzt ausdrücklich auch an die Kulturpolitik, um zu sichern, dass unser Forum der Komischen Künste Teil der Kunstlandschaft in der Hauptstadtregion bleibt.“

Der „Kunstschatz“, den die Sammlung verkörpert, ist vielgestaltig: Er umfasst ca. 40.000 originalgrafische Blätter – Zeichnungen, Druckgrafik, Plakate, Illustrationen, Skizzen, Studien, Entwürfe, Collagen, Fotomontagen. Grundstock der Sammlung bilden die Werke und das künstlerische Erbe ehemals ostdeutscher Karikaturisten und Zeichner, insbesondere aus dem Umfeld der Satirezeitschrift „Eulenspiegel“. So besitzt man umfangreiche Bestände von Harri Parschau, Heinz Behling, Joseph W. Huber, Heinz Jankofsky, Helmut Jacek, Reiner Schwalme, Karl Koppe, Horst Schrade, Ottfried Zielke, Lothar Otto, Hans Maria Lindloff. Wertvoll sind darüber hinaus erste Arbeiten von  Karl Schrader, Manfred Bofinger, Andreas Prüstel, Peter Thulke, Paul Michaelis, Wolfgang Schubert, Louis Rauwolf, Elisabeth Shaw, Gustav Brandt, Fritz Koch-Gotha, Arthur Johnson, Oskar Garvens, Willi Steinert, Harald Kretzschmar, Peter Dittrich und anderen. Doch auch Arbeiten von Klaus Stuttmann, Rainer Hachfeld, Freimut Wössner oder Erich Rauschenbach vervollständigen die Sammlung, die im Hinblick auf die reiche satirische Tradition in der gesamten Region Berlin/Brandenburg ständig erweitert wird. Man kümmert sich auch um die Digitalisierung von Beständen, ein Projekt, das vom brandenburgischen Kulturministerium gefördert wird. Zudem bietet eine umfangreiche Fachbibliothek mittlerweile etwa 8000 Bände zum Thema Humor und Satire.

Um als eigenständiges Museum zu arbeiten, die ganze Breite des Bestandes besser präsentieren und die Aufgaben der Stiftung wahrnehmen zu können, benötige man 700 bis 1000 Quadratmeter Fläche, ist Nicolai sicher. Wenn die nicht bald gefunden würden, müssten sämtliche Bestände wohl oder übel eingelagert werden und wären für Publikum auf unbestimmte Zeit nicht zugänglich. Zwar habe es bereits zahlreiche Gespräche auch mit möglichen Partnern gegeben, eine Lösung sei jedoch noch nicht gefunden.

Die Cartoonlobby wendet sich deshalb mit einer Petition „Schluss mit lustig?“ an die Mitglieder des Bundestages und an die bundesweite Kulturpolitik, das Ende des Museums  verhindern zu helfen. Die Petition läuft noch bis Ende November und kann hier unterstützt werden.

nach oben

weiterlesen

Theatraler Blick in eine schöne neue Welt?

Vom 10. bis 21. März fand in der Kölner Kirche St. Gertrud das Theaterprojekt „Menschen von Morgen“ statt. In verschiedenen Szenen unter Mitwirkung von chronisch kranken Menschen, Migrant*innen und professionellen Schauspieler*innen inszenierte Regisseur Gregor Leschig gemeinsam mit ihnen einen Blick auf die eigenen Zukunftsentwürfe. Mit Performances, Streams, Einspielungen und Interaktionen, die auch das Publikum mit einbezogen. Die große Frage dabei: Wie sieht unsere Welt in Zukunft aus?
mehr »

Was tun für faire Arbeit in Kunst und Kultur?

Die Coronakrise erschüttert die Kulturbranche im Fundament. Das strahlt weit in die Gesellschaft aus. Was aus der Situation für den Kulturbereich zu lernen ist, debattierte die Bundestagsfraktion Die Linke mit Gästen. „Kultur. Klasse. Krise“ war die gemeinsame Veranstaltung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 9. März überschrieben. ver.di-Gewerkschaftssekretärin Lisa Basten und andere Experten waren aufs digitale Podium geladen.
mehr »

Es geht um Stabilisierung, vor allem aber um Zukunft

Im Oktober 2020 wurde im Rahmen von „Neustart Kultur“ ein 65-Millionen-Programm zur Förderung freischaffender Künstler*innen und freier Gruppen in der bundesdeutschen Theater-, Performance- und Tanzlandschaft bereitgestellt. Der Fonds Darstellende Künste organisiert die Förderung, 50 Millionen Euro sind bereits vergeben worden. Wir baten Geschäftsführer Holger Bergmann um eine Zwischenbilanz.
mehr »

Kreative beim Urheberrecht ohne wirksamen Schutz

Das Bundeskabinett hat am 3. Februar 2020 den Gesetzentwurf für die Umsetzung der EU-Urheberrechtsreform in deutsches Recht gebilligt. Im „weitgehend unter Vermeidung von Öffentlichkeit“ erfolgten Gesetzgebungsverfahren fehle es weiter an wirksamen Schutzmechanismen für die Kreativen, kritisiert ver.di. Die Gewerkschaft sieht den Regierungsentwurf als einen "Kotau vor den Interessen der Zeitungsverleger und Verwerter".
mehr »