Münchner fordern Rettungsschirm für die Kultur

Frühmorgendliche Kundgebung in München. Ein Bündnis für gerechte Finanzierung von Kultur und kommunalen Aufgaben ist das Ziel. Foto: ver.di

München,  28. Juli, acht Uhr morgens: Für Künstler in aller Herrgottsfrühe: Protest gegen die Kürzungen an den Münchner Kammerspielen im „Löwenbräukeller“. Das Theater soll die von ver.di erstreikten Tariferhöhungen aus dem eigenen Budget schultern, weil auch der bundesweit größten und reichen Kommune München Gewerbesteuereinnahmen fehlen – Corona-bedingt. Dagegen formiert sich ein Bündnis: „Superreiche zur Kasse!“

Da Kommunen nicht einfach Kredite aufnehmen können und sich ihre Haushalte genehmigen lassen müssen, ist Sparen und Kürzen vermeintlich alternativlos. Sagt zumindest die rot-grün regierte bayerische Landeshauptstadt. Die Kammerspiele könnten den Sparvorgaben nur durch die Streichung aller freien künstlerischen Mittel oder durch einen Abbau im Umfang von 60 Stellen nachkommen, rechnen die Theaterleute und ver.di vor. Und der Eigenbetrieb Münchner Kammerspiele bildete auch nur den verhängnisvollen Auftakt eines weiteren Sparhaushalts zu Lasten von Bildung, Sozialem und Kultur, so die Kritik. Ein „falsches politisches Signal zum falschen Zeitpunkt“.

Eben nicht!, meinen die Demonstranten vor dem „Löwenbräukeller“. Foto: ver.di

Stattdessen meint ver.di: Superreiche zur Kasse – auch für Kultur- und Freischaffende, für kommunale Rettungsschirme und weitere gesellschaftlich wichtige Bereiche wie Pflege, Wohnen, Soziales, Bildung, Klima. Wenn nicht jetzt – wann dann?

Die ver.di-Kunstfachgruppe und die Selbstständigen in ver.di haben die Initiative zur Kulturfinanzierung in München gestartet. Zu ihren Forderungen gehört: Es sollen jetzt nicht noch die draufzahlen, die von Corona-Auflagen wie Betriebsschließungen, Zuschauerbeschränkungen und Arbeitsverbot stark betroffen waren und sind. Die nötige Finanzierung für Tariferhöhungen, angemessene Ausstattung mit Sach- und Personalmitteln sowie die bessere Unterstützung der freien Szene soll über einen kommunalen Rettungsschirm gesichert werden. „Wer soll das bezahlen?“, fragen die Aktiven und antworten: „Superreiche, die das Geld auf der Kante haben“, man brauche „endlich eine gerechtere Steuerpolitik“.

„Das wär auch gut gegen Entsolidarisierung und dafür, dass sich die verschiedenen Bereiche nicht gegeneinander ausspielen lassen. Gemeinsam ist besser“, fasst Agnes Kottmann von ver.di das Anliegen zusammen. Ein breites Bündnis ist angestrebt, in dem auch die großen Sozialverbände beteiligt werden. Alle Interessierten sind aufgefordert, diesen Aufruf zu unterschreiben und zu teilen.

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