München demonstriert: Aufstehen für die Kunst

"Aufstehen für die Kunst" am 24. Oktober in München Foto: ver.di

Mehr als 1000 Kulturschaffende und Unterstützer hatten sich am 24. Oktober in München auf dem Königsplatz unter der Losung «Aufstehen für die Kultur» versammelt. ver.di war engagiert dabei und brachte eigene Forderungen für Soforthilfen in der Corona-Krise ein. Der bayerische Staatsminister für Wissenschaft und Kunst Bernd Sibler sagte der Gewerkschaft in seiner Rede Gesprächsbereitschaft zu.

Im Aufruf der Organisatoren zu der Kundgebung hatte es geheißen: «Den Kulturschaffenden und allen, die im weitesten Sinne von der Kultur leben, setzt die Coronakrise sehr zu. Die Konzertsäle, Theater, Räume für Lesungen und Kinos dürfen nur zu einem Bruchteil besetzt werden. Großveranstaltungen sind bis Ende des Jahres sogar ganz verboten. In kleineren Häusern können die Veranstaltungen zum Teil gar nicht stattfinden, da auf Grund der strengen Abstandsregeln die geplanten Vorstellungen nicht zu finanzieren sind…
Während andere Wirtschaftsbereiche großzügige finanzielle Unterstützung erfahren, wird die Kulturbranche nach wie vor vernachlässigt. Viele freischaffende Künstler und Ensembles stehen jetzt schon kurz vor dem Aus. Aber auch die grösseren Bühnen und Häuser werden auf die Dauer ihren Status nicht halten können.
Die Politik riskiert durch Passivität und konstantes Wegsehen, dass mit dem gesamten Kulturleben ein wichtiger Faktor der sozialen Bindung und der Wirtschaft in Schieflage gerät. Dagegen müssen wir ein deutliches Zeichen setzten!»

Zahlreiche ver.di-Mitglieder beteiligten sich mit Transparenten an der Demonstration und brachten auch eigenen Forderungen ein. Kulturschaffende und Künstler seien keine Erwerbstätigen zweiter Klasse und müssten alle und sofort unterstützt werden:

Kultur_Solos_verdi-Forderungen_23.10.20_final

Redner*innen und Teilnehmer*innen heizten dem mitdemonstrierenden bayerischen Wissenschafts- und Kunstminister Bernd Sibler ordentlich ein: Er hätte Ministerpräsident Markus Söder gleich mitbringen sollen – dann hätte man ihn direkt an seinem Verfassungsauftrag erinnern können und daran, dass Bayern ein Kulturstaat sei.

«Den aktuellen Ankündigungen zur Unterstützung von Kunst- und Kulturschaffenden sowie von Selbsständigen in der Coronakrise müssten endlich Programme folgen, die auch bei den Betroffenen ankommen, wurde energisch gefordert» berichtet ver.di-Sekretärin Agnes Kottmann, die die Reden vor Ort verfolgte.

Ein Kollege verteilt Flyer mit den ver.di-Forderungen bei „Aufstehen für die Kunst“. Foto: ver.di

ver.di forderte in einem Flyer, endlich auch in Bayern den Unternehmerlohn bzw. Zuschüsse zu Lebenshaltungskosten für alle Selbstständigen zu ermöglichen und gleichzeitig Spielstätten, Stipendien und insbesondere kleine -private- Kultur- und Veranstaltungsbetriebe sowie die freie Szene zu fördern.

 

«Denn Kreative wollen arbeiten und mit ihrer Tätigkeit Geld verdienen. Jeoch stellen Coronahilfen keine Almosen dar, sondern berechtigte Ansprüche. In seiner Rede streckte der Kunstminister auch ver.di die Hand zum Gespräch aus. Darauf kommen wir gern zurück», so Kottmann.

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