Lernen, einander zuzuhören – jetzt mit dem Saxofon

Pressekonferenz des Landesmusikrates Berlin zum Instrument des Jahres 2019 – vorn v.l. Dunger-Löper, Lederer, Weniger
Foto: Christian von Polentz

Das Saxofon löst das Cello ab. Die Landesmusikräte Baden-Württemberg, Berlin, Brandenburg, Bremen, Hessen, Thüringen, Rheinland-Pfalz, Saar, Sachsen und Schleswig-Holstein kürten das Saxophon zum „Instrument des Jahres“ 2019. Die 2008 durch den Deutschen Musikrat und den Landesmusikrat Schleswig-Holstein gestartete jährliche Instrumentenkür will für ein breites Publikum Anreize schaffen und Aufmerksamkeit auf die musikalische Bildung richten.

Das mit 172 Jahren verhältnismäßig junge Holzblasinstrument begeistert bereits 27.000 Musikschüler*innen bundesweit. Das Saxofon, das in allen Klangkörpern unterschiedlichster Stilistik Einzug gehalten hat, zählt zu den beliebtesten Instrumenten. In diesem Jahr wird es bei vielfältigen Veranstaltungen, auf Jazz-Sessions, Sinfoniekonzerten, Opernaufführungen, bei Vorträgen, Übungsabenden und Ensembleauftritten seine Wandlungsfähigkeit unter Beweis stellen. Der hauptstädtische Landesmusikrat und Kultursenator Klaus Lederer etwa stellten die Instrumenteninitiative zu Jahresbeginn vor und warfen einen Blick auf die herunterzuladende Veranstaltungsbroschüre. So werden 1000 Saxofonisten Leidenschaft und Stimmung beim Berlin-Marathon im September anfachen. Beim Jazzfest der Musikschule Neukölln steht das Instrument ebenfalls im Mittelpunkt.

Aktivitäten zum Projekt sollen – so der Landesmusikrat Berlin – „länderspezifisch gebündelt“ werden. Ein umfassendes Netzwerk sei zwischen denen zu entwickeln, die sich dem Saxophon verschrieben haben: Instrumen­ten­bauer*innen, professionelle Saxophonist*innen, aktive Amateurmusiker*innen, Komponist*innen, Musikschüler*in­nen und Zuhörende.

Stefan Gretsch, Vorsitzender der ver.di-Fachgruppe Musik: „Wir begrüßen dieses Projekt der Landesmusikräte. Es ist ein wesentlicher Beitrag für die Musikschularbeit, indem es Lehrern wie Schülern die Möglichkeit bietet, das eigene Instrument und auch das der anderen aus anderer Perspektive oder vielleicht sogar neu zu erfahren.“

Für Saxofonist Prof. Peter Weniger, künstlerischer Direktor des Berliner Jazz Institutes und Berliner Schirmherr, geht es vor allem um die Fähigkeit zuzuhören: „Jedes Kind sollte ein Instrument lernen – und wenn es Saxophon ist, freue ich mich. Aber wichtig ist, überhaupt ein Instrument zu erlernen. Warum? Weil man lernt, aufeinander zu hören.“

Die Präsidentin des Berliner Landesmusikrates Hella Dunger-Löper bestätigt, dass über das „Instrument des Jahres“ viele Menschen zu erreichen, fürs Musikhören und Musikmachen zu begeistern sind. Musik für alle sei seit vier Jahrzehnten Leitmotiv der Lobbyarbeit des Berliner Landesmusikrates.

Fortschritte, so Dunger-Löper, wurden erreicht, doch sei es noch ein weiter Weg zum Ziel qualifizierter musikalischer Bildung von der Kita über die Grund- und weiterführenden Schulen sowie außerschulischer Jugendförderung. Gerade in Berlin geht es um eine bessere Ausgestaltung der 12 bezirklichen Musikschulen, um mehr Festanstellungen von Musiklehrkräften, um einen Tarifvertrag für die Honorarkräfte. ver.di hat all das gemeinsam mit vielen Partnern – darunter dem Landesmusikrat – vom Senat lange und nachdrücklich eingefordert. Mit 20 Prozent Festanstellungen in dieser Legislaturperiode, die bis 2025 auf 80 Prozent steigen sollen – wurde ein wichtiger Schritt getan. Das würde dann an die bundesweite Quote von 86 Prozent heranreichen.

https://www.landesmusikrat-berlin.de

nach oben

Weitere aktuelle Beiträge

Honorarumfrage unter Soloselbstständigen

Eine branchenübergreifende Honorarumfrage unter Soloselbstständigen soll für mehr Markttransparenz sorgen. „SO_LOS! Die Initiative für faire Honorare“ wurde zum Start am 13. Juli zunächst von 25 Berufsverbänden, Interessenvertretungen und Zusammenschlüssen von und für Soloselbstständige(n) getragen. Weitere sollen dazu kommen. Konzipiert und organisiert hat die Initiative das „Haus der Selbstständigen“ (HDS) mit Sitz in Leipzig. Zentraler Bestandteil ist eine Online-Umfrage, mit deren Hilfe Daten zu aktuell auf dem Markt zu erreichenden Honorarhöhen erhoben werden.
mehr »

Eiskalte Erpressung in Planegg-Krailling

Die seit 50 Jahren erfolgreiche Musikschule Planegg-Krailling ist seit Monaten Schauplatz von Auseinandersetzungen und Drohungen, die nach ver.di-Einschätzung vor allem das Ziel haben, die Musikschullehrer*innen einzuschüchtern, in ihrer Existenz anzugreifen und ihnen Mitbestimmungsrechte zu nehmen. Demokratie gilt den Geldgebern dabei gar nichts. Es herrschen Stimmungsmache und Willkür.
mehr »

Neue Landes-Arbeitsgruppe Kunst und Kultur in Bayern

Innerhalb der laufenden Organisationswahlen in ver.di wurde im Rahmen der Landesdelegierten-Konferenz der Kunstfachgruppen in Bayern am 9. Juli 2022 die Gründung des ordentlichen Gremiums der Landes-Arbeitsgruppe Kunst und Kultur beschossen.  Zugleich wurden die Vorstände der Landes-Fachgruppen KuK-Bayern gewählt. Der Landes-AG gehören Vertreter *innen der Fachgruppen Musik, Bildende und Darstellende Kunst sowie des VS an.
mehr »

KSK: Novelle soll Webfehler im Gesetz künftig heilen

Endlich gute Nachrichten für alle Soloselbstständigen, die neben einer künstlerischen oder publizistischen Arbeit noch weitere selbstständige Tätigkeiten ausüben: Im Rahmen einer umfassenderen Novelle des Vierten Sozialgesetzbuches sind Änderungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes vorgesehen. Danach können Selbstständige künftig in der Künstlersozialkasse (KSK) krankenversichert bleiben, solange ihre kreative Tätigkeit überwiegt. ver.di begrüßt das ausdrücklich.
mehr »