Mehr Geld für Kultur und Mindesthonorare für Kreative!

Auf dem Podium (v. li.): Dr. Florian Roth, Thomas Lechner, Luise Klemens, Julia Schönfeld-Knor, Stephen Sikder. Foto: Irene Gronegger

„1 Fuffziger für 1 Stunde Kreativität – mindestens“ lautete der Slogan auf dem Einladungs-Flyer der Veranstaltung. Der Arbeitskreis Kultur in ver.di München lud am 17. Februar ins Gewerkschaftshaus ein, um mit Kandidierenden der bevorstehenden Stadtratswahl über die Kultur zu diskutieren – vor allem über Budgets und gute Honorare für Kunst- und Kulturschaffende.

Die erste Frage der ver.di-Landesbezirksleiterin Luise Klemens an die Gäste aus der Politik war dann auch: „Ein Mindesthonorar in Kunst und Kultur – was sagen Sie dazu?“

Mindesthonorare wie bemessen?

Stephen Sikder von der CSU-Filmkommission ist grundsätzlich für Richtwerte. Er denkt aber, es sei klüger, mit Tageshonoraren zu arbeiten und nennt konkret 280 Euro als ein Beispiel aus der Filmbranche. Die SPD-Stadträtin Schönfeld-Knor fragte nach der möglichen Bemessungsgrundlage bei Förderungen. Außerdem räumte sie Defizite an der Münchner Volkshochschule und den Musikschulen ein. Thomas Lechner, parteiloser Oberbürgermeister-Kandidat der Linken, meinte: „50 Euro sind gar nicht so viel, am Ende bleibt maximal die Hälfte übrig.“ Man müsse wohl noch genauer zwischen verschiedenen Arten von Engagements und Dienstleistungen differenzieren. Florian Roth, Vorsitzender der Stadtratsfraktion Die Grünen – Rosa Liste, verwies auf Empfehlungen von Verbänden und Gewerkschaften, die aber in München wegen der hohen Lebenshaltungskosten nach oben angepasst werden müssten.

Was neue Einnahmequellen angeht, war sich das Podium einig, dass eine Kulturabgabe für Touristen derzeit aus rechtlichen Gründen nicht möglich sei und auch nicht unbedingt sinnvoll: Die Stadt sei aus der Sicht von SPD, Grünen und Linken finanziell in der Lage, Budgets für Kultur weiter zu erhöhen. Außerdem könne man versuchen, freiwillige Beiträge von Firmen zu gewinnen, wie CSU-Mann Sikder vorschlug.

Honorare für Ausstellungen und Auftritte

Aus dem Publikum kam die Forderung nach Ausstellungshonoraren in städtischen Räumen. Immerhin war auf dem Podium schon erwähnt worden, dass Bands bei städtisch gebuchten Auftritten mindestens 150 Euro pro Musiker bekämen, und das auch bei Eintritt-frei-Konzerten. Darauf gab es keine konkrete Antwort vom Podium, was Ausstellungen betrifft.

Als eine Filmemacherin aus dem Publikum den Gender Pay Gap ansprach, wurde die Diskussion mühsam: Im Prinzip sind natürlich alle für die gleiche Bezahlung gleichwertiger Arbeit von Frauen und Männern. Doch in der Praxis sei es schwierig, weil das Problem viele Ursachen habe: Teile der Verwaltung und auch Jurys müssten noch weiter sensibilisiert werden, Frauen seien noch nicht in allen Bereichen etabliert, viele Projekte würden im Ganzen vergeben … Luise Klemens schloss diesen zähen Punkt mit den Worten ab: „Meine Geduld ist zu Ende. Wie lange sollen Frauen noch zuschauen, bis es annähernd gerecht ist?“

Politische Fragen im Großen und im Detail

Es wurde außerdem diskutiert, wie man Rechtsextremismus bekämpfen und die Demokratie stärken könnte: Welchen Beitrag leistet die Kulturszene bereits, was könnte in Zukunft noch sinnvoll sein, was sollte man finanziell fördern? Viel Zustimmung aus der Politik gab es zu dem Vorschlag von der Basis, einen städtischen Kulturbeirat einzurichten.

Weitere Themen waren die Besetzung von Theaterintendanzen, geeignete Anlaufstellen für Kreative mit Beratungsbedarf, das kulturelle Budget der Stadtbezirke sowie die Transparenz der städtischen Vergaben und Ausschreibungen – sind die Informationen im Internet ausreichend und verständlich aufbereitet? Hier gingen die Ansichten auseinander. Kreative dürften sich mit ihren Fragen auch an die Stadtteil-Kulturhäuser wenden und bei Problemen die Stadträte anschreiben, empfahl Stadträtin Schönfeld-Knor. Was in München chronisch nicht reicht, sind Räume, die für Ateliers und für Proben zur Verfügung stehen – Lechner schlug genossenschaftlich organisierte Künstlergewerbehöfe in Neubaugebieten vor.

Das Schlusswort sprach Gewerkschaftssekretärin Agnes Kottmann. Sie verwies auf die gelungene ver.di-Aufwertungskampagne im Bereich Pflege und Erziehung und appellierte: „Auch Kunst und Kreativberufe aufwerten!“

 

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