Klare Botschaft aus Mainz: Wir werden laut

"Wir werden laut" hieß es in Mainz bereits im Juni zu Forderungen von Honorarkräften nach einem Unternehmerlohn. Foto: ver.di

Auf einer Bühne nahe dem Mainzer Landtag traten am 24. Juni über mehrere Stunden Musiker, Kulturschaffende, Solo-Selbstständige und Freie als ver.di-Gewerkschafter unter dem Motto „Wir werden laut!“ auf. Der Kultur-Infrastrukturfonds, der die Branche durch die Krise bringen soll, muss auch den Einzelnen helfen, verlangten sie und forderten eine passgenaue Unterstützung, die auch Lebenshaltungskosten sichere.

Sie wollten dem rheinland-pfälzischen Wirtschaftsminister Dr. Wissing eine klare Botschaft für das bundesweite Ministertreffen in Bremen am Folgetag auf den Weg geben: Die geplante Kultur-Milliarde sei dringend nötig. „Allerdings muss eine wirkliche Unterstützung der Kunst-, Kultur- und Veranstaltungsbranche in Kombination mit individuellen Hilfen für Soloselbstständige gewährleistet werden, damit die Förderung nicht ins Leere läuft“, so Michael Holdinghausen der für Medien und Kunst zuständige ver.di-Fachbereichsleiter in Rheinland-Pfalz Saar.

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Unter durchlöcherten Schirmen traten unter anderem ein Streich- und ein Blechbläser-Ensemble, ein Kabarettist sowie eine Popband auf. Die löchrigen Schirme seien Symbole für das Fehlen eines Schutzschirmes für Soloselbstständige, erklärte Holdinghausen.

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Viele Künstler würden in der Krise mit wegbrechenden Einnahmen und abgesagten Engagements auf die Grundsicherung verwiesen. Das sei unzureichend. „Durch den Verweis auf den Hartz-IV-Bezug wird die am längsten von Einschränkungen betroffene Gruppe meist hochqualifizierter Kulturschaffender in prekären Verhältnissen festzementiert und weiterem Honorardumping Tür und Tor geöffnet“, so Andreas Kubitzki, Vorsitzender der ver.di-Fachgruppe Musik Rheinland-Pfalz und Initiator der Protestveranstaltung. Die Grundsicherung sei nur bedingt eine Lösung für Kulturschaffende in der Coronakrise. „Die Überprüfung der Bedarfsgemeinschaft sowie minimale Zuverdienstgrenzen machen eine Lebenshaltung auf dieser Basis fast unmöglich. Nachbesserungen sind dringend notwendig.“

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