Immer da: Museen 2020 trotz Besucherrückgangs präsent

Das Institut für Museumsforschung meldete Mitte Dezember die Besuchszahlen der Museen in Deutschland im ersten Pandemie-Jahr 2020: Erwartungsgemäß brachen die Präsenzbesuche gewaltig ein: Mit 33,6 Millionen Besuchen in deutschen Museen wurden 70 Prozent weniger als im Vor-Corona-Jahr 2019 gezählt. Doch sei auch kreatives Potenzial, vor allem im Digitalen, entfesselt worden. Obwohl die Museen mindestens drei Monate nicht öffnen konnten, seien sie „immer da“ gewesen.


Die Häuser, die sich an der Erhebung des Instituts für Museumsforschung bei den Staatlichen Museen zu Berlin. Preußischer Kulturbesitz beteiligt haben, meldeten für das Jahr 2020 insgesamt 33.550.296 Besuche. Das sind gut zwei Drittel weniger, als 2019 erfasst wurden. Von den angeschriebenen 6.484 Museen meldeten 45 Prozent ihre Besuchszahlen dem Institut für Museumsforschung. Weitere zehn Prozent gaben an, im Jahr 2020 aufgrund von Umbauarbeiten oder pandemiebedingt nicht für Besucher*innen geöffnet gewesen zu sein.

Lockdowns im Frühjahr und Spätherbst 2020 führten zu gesetzlich verordneten Schließzeiten zwischen 96 Tagen (Thüringen) und 118 Tagen (Schleswig-Holstein). Einrichtungen, die sich im Sommer zu einer Öffnung entschlossen, konnten ihre Besuchskapazitäten aufgrund strenger Hygieneauflagen kaum ausschöpfen. Die aktuellen Ergebnisse der statistischen Gesamterhebung machten deutlich: nach Jahrzehnten stetig steigender Besuchszahlen, zuletzt 111,6 Mio. in 2019, markiert das Jahr 2020 für den Museums- und Ausstellungssektor eine historische Zäsur.

Auch die separat erhobenen Besuchszahlen in den Ausstellunghäusern waren im Vergleich zu 2019 stark rückläufig. Für das Jahr 2020 waren dies insgesamt 2.328.333 Besuche (-57,1%). Von den angeschriebenen 505 Einrichtungen meldeten 60 Prozent ihre Besuchszahlen.

Zunahme digitaler Aktivitäten

Trotz Pandemie waren diejenigen Museen, die Sonderausstellungen durchführten, wie bereits in den vergangenen Jahren besonders aktiv. 1.449 Museen meldeten insgesamt 3.599 Sonderausstellungen, durchschnittlich fanden also 2,5 Ausstellungen pro Haus statt. 11,6 Prozent der Ausstellungen wurden digital präsentiert, und 2,1 Prozent waren sogar rein digital. Mehr als ein Drittel der etwa 4.000 antwortenden Museen gaben zudem an, ihre digitalen Aktivitäten insgesamt ausgeweitet zu haben. Sie hätten nicht nur bereits bestehende Angebote ins Netz verlagert (13 %), sondern in vielen Fällen auch neue digitale Inhalte und Medien entwickelt (20 %), oder ihre Social-Media Aktivitäten intensiviert (25 %).

Für die Direktorin des Instituts für Museumsforschung Dr. Patricia Rahemipour steht fest: „Obwohl die Museen mindestens drei Monate nicht für die Öffentlichkeit öffnen konnten, waren sie doch immer da. Sie haben die Zeit genutzt, um mit ihren Sammlungen zu forschen und zu arbeiten und innovative, oftmals digitale Angebote zu entwickeln. Die Krise hat der Digitalisierung zu einem unglaublichen Schub verholfen.“

David Vuillaume, Geschäftsführer des Deutschen Museumsbundes, ergänzt: „Nach dem ersten Schock haben die Museen extrem gut reagiert. Sie haben sich von Anfang an als umstellungsbereit und umstellungsfähig erwiesen.“

Weitere Informationen und Daten zur deutschen Museumslandschaft im ersten Coronajahr, insbesondere die Ergebnisse der Sondererhebung zu den Folgen der Pandemie 2020, sind der „Statistischen Gesamterhebung an den Museen der Bundesrepublik Deutschland für das Jahr 2020“ zu entnehmen. Die Publikation erscheint als Heft 76 in der Reihe „Zahlen & Materialien aus dem Institut für Museumsforschung“ und wird ab März 2022 unter https://journals.ub.uni-heidelberg.de/index.php/ifmzm/index zum Download bereitstehen.

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