Hans Otto ehren und sich heute aktiv einmischen

Zur HOT-Matinee am 25. November 2018: Vereinsvorsitzender Matthias Brenner (vorn) und die Ensemblemitglieder Jonas Götzinger, Franziska Melzer und Jan Hallmann (v.l.n.r.)
Foto: Gabriele Senft

Hans Otto war der erste bekannte Schauspieler, der seinen Widerstand gegen die braunen Machthaber am 24. November 1933 mit dem Leben bezahlte. Zum 85. Todestag wurde bundesweit an den mutigen Künstler und Gewerkschafter erinnert. Eine besondere Ehrung erfuhr der „Kollege“ im Potsdamer Theater, das Hans Ottos Namen trägt, mit einer Matinee. Mit dabei: Mitglieder des 2016 gegründeten Hans-Otto-Vereins.

Ich habe eine Verantwortung, ich bleibe hier. Mit dieser Begründung soll Hans Otto Engagements im Ausland abgelehnt haben, nachdem ihm am Staatsschauspiel am Berliner Gendarmenmarkt im Frühjahr 1933 gekündigt wurde. Er stellte sich den braunen Machthabern mit Überzeugung als Kommunist, aber auch als aktiver Bühnengewerkschafter aus der Illegalität heraus entgegen. Verraten, nahmen ihn SA-Leute am 14. November 1933 fest. Hans Otto wurde vielfach verhört, gefoltert und starb am 24. November an den Folgen der Misshandlungen.

In die Potsdamer Matinee am 25. November 2018 führte die Theaterintendantin Bettina Jahnke ein und berichtete auch, dass Hans Ottos letzte Ruhestätte auf dem Berliner Waldfriedhof Stahnsdorf endlich offiziell als Ehrengrab anerkannt wurde. Die jungen Ensemblemitglieder Franziska Melzer, Jonas Götzinger und Jan Hallmann sowie Jörg Dathe am Klavier beeindruckten das Publikum mit einem sehr heutigen Programm. Sie lasen Texte von „unbequemen“ Künstlern, die – obwohl in ihren Heimatländern China, Tunesien, Türkei und Syrien verfolgt, ins Gefängnis geworfen oder ins Exil geflüchtet – weiter für die Freiheit der Kunst und Demokratie eintreten. Texte, in denen viel von Gewalt und Tod die Rede war, die aber zugleich von Kraft und Überlebenswillen „bis an der Sehnsucht Rand“ kündeten. Mit dabei an diesem Vormittag: Verwandte aus der Familie von Hans Ottos Bruder und Mitglieder des Hans-Otto-Vereins, für die der Vorsitzende Matthias Brenner sprach und sang.

Wirken im Hier und Jetzt

In „Zeiten des rauen politischen Tons und der Ermutigung zu Gewalt nicht zur schweigenden Mehrheit zu werden“, hat sich der Verein zum Ziel gesetzt. Er wird in seiner Arbeit auch vom ver.di-Landesbezirk Berlin-Brandenburg unterstützt. Der Hans-Otto-Verein schloss sich dem Aufruf „Der Vielen“ an, mit sich 140 Kultureinrichtungen seit Mitte November in einer Selbstverpflichtung zur Verteidigung einer offenen Gesellschaft gegen Angriffe von Rechtsradikalen vereint haben. In Zusammenarbeit mit dem Hans-Otto-Theater will man künftig mindestens zweimal jährlich Veranstaltungen in Schulen organisieren, setzt sich aber auch für den Erhalt von Kulturstätten und demokratischen Dialog ein. Man wolle „die Stärke des Rechts verteidigen, nicht das Recht des Stärkeren“. Der Schauspieler und Intendant des Neuen Theaters in Halle/S. Matthias Brenner erklärte als Vorsitzender des Hans-Otto-Vereins: „Natürlich ist es wichtig, das Andenken zu bewahren, denn viel zu schnell gerät viel zu viel in Vergessenheit. Es gibt aber auch die Parallele zu damals, die uns warnt, und uns sozusagen auffordert, uns aktiv in die gesellschaftlichen Prozesse einzumischen.“

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