Gratulation für PEN-Präsident Deniz Yücel

Deniz Yücel bei der TV-Sendung "Das blaue Sofa" auf der Buchmesse 2019 in Frankfurt am Main. Foto: picture alliance/ Sven Simon

Das PEN-Zentrum Deutschland hat auf der Mitgliederversammlung am 26. Oktober den Journalisten und Autor Deniz Yücel zum neuen Präsidenten gewählt. Yücel übernimmt das Amt von Regula Venske, die es seit 2017 innehatte. Vorsitzende Lena Falkenhagen gratulierte Yücel im Namen des Bundesvorstands des Verbands deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller (VS in ver.di). Nachdem PEN und VS in den vergangenen Jahren weiter zusammengewachsen seien, schrieb Falkenhagen, hoffe sie „auf eine weiterhin gute Zusammenarbeit der beiden größten deutschen Schriftstellerverbände“.

„PEN und VS verbindet die Liebe zum Wort und seiner Freiheit“, so Lena Falkenhagen, die VS-Kollegin Astrid Vehstedt auch zur Wahl als Vizepräsidentin gratulierte.

Deniz Yücel rückte nach seiner Wahl in der Frankfurter Paulskirche den Einsatz für die Meinungsfreiheit in den Mittelpunkt. Autorinnen und Autoren sowie der Schriftstellerverband müssten aus Prinzip und im Zweifel immer für die Freiheit des Wortes und der Kunst eintreten, sagte er laut Mitteilung des PEN vom Mittwoch auf der Mitgliederversammlung. „Auch für die Freiheit des dummen Wortes, auch für die Freiheit der bescheuerten Kunst, auch dann, wenn es wehtut. Gegen die Mächtigen, gegen die Bösen – und wenn es sein muss, auch gegen die Guten.“

Yücel wurde als Türkei-Korrespondent der Zeitung „Die Welt“ international bekannt, als er im Februar 2017 fast ein Jahr lang ohne Anklageschrift in Einzelhaft im Hochsicherheitsgefängnis Silivri bei Istanbul festgehalten wurde. Erst nach anhaltenden Protesten und diplomatischen Bemühungen kam er frei, wurde aber später in Abwesenheit von der türkischen Justiz wegen Terrorpropaganda zu fast drei Jahren Haft verurteilt. Eine weitere Anklage gegen Yücel wegen „Herabwürdigung der türkischen Nation“ und Beleidigung ihres Präsidenten ist noch anhängig.

Der 1973 in Flörsheim bei Frankfurt am Main geborene Yücel studierte in Berlin Politikwissenschaft, arbeitete zunächst als freier Journalist, dann als Redakteur der Wochenzeitung „Jungle World“ und später bei der „taz“. Für „Die Welt“ wechselte der Journalist mit doppelter Staatsbürgerschaft nach Istanbul und ist inzwischen wieder in Deutschland für das Blatt tätig.

Yücel wurde mehrfach ausgezeichnet, darunter mit dem Kurt-Tucholsky-Preis für literarische Publizistik (2011), mit dem Preis „Journalist des Jahres“ (2014) und dem Theodor-Wolff-Preis (2017).

Zur neuen PEN-Vizepräsidentin und Writers-in-Exile-Beauftragten wählten die Verbandsmitglieder Astrid Vehstedt, aktiv im VS Berlin, die seit 2019 Beisitzerin im Präsidium war. PEN-Generalsekretär Heinrich Peuckmann und Vizepräsident Ralf Nestmeyer, zuständig für die Writers-in-Prison-Arbeit, wurden in ihren Ämtern bestätigt. Simone Trieder wurde als Beisitzerin wiedergewählt. Der bisher kommissarisch tätige Schatzmeister Joachim Helfer wurde in das Amt gewählt. Neu im Präsidium sind außerdem die Beisitzer*innen Svenja Leiber, Christoph Links, Nikola Anne Mehlhorn und Konstantin Küspert.

Leander Sukov hatte sich für das Amt des Vizepräsidenten und Beauftragten für „Writers in Exile“, das er in den letzten drei Jahren ausgeübt hat, nicht wieder zur Verfügung gestellt. Sukov möchte sich auf seine Tätigkeit als stellv. Vorsitzender des VS konzentrieren. Er leiste eine im Wortsinn lebenswichtige Aufgabe zur Hilfe verfolgter Schriftsteller*innen.

Das deutsche PEN-Zentrum mit Sitz in Darmstadt gehört zu weltweit mehr als 150 Schriftstellervereinigungen, die im PEN International zusammengeschlossen sind. Die Vereinigung wirkt weltweit als Anwältin des freien Wortes und als Stimme verfolgter und unterdrückter Schriftstellerinnen und Schriftsteller.

 

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