Faszinierend: Instrument des Jahres 2021 ist die Orgel

Kultursenator Lederer läßt eigenhändig das Orgeljahr im Berliner Musikinstrumentenmuseum einklingen. Foto: Landesmusikrat Berlin

Die Orgel löst die Violine als Instrument des Jahres ab. Die 2008 in Schleswig-Holstein gestartete Initiative der Landesmusikräte stellt in jedem Jahr ein anderes Instrument in den Mittelpunkt. Allgemeine Aufmerksamkeit und die Lust sollen geweckt werden, sich mit ihm zu beschäftigen. Mit der Orgel wurde nun zum ersten Mal ein Tasteninstrument gekürt. Gleich eines der Superlative.

Veranstaltungen, Aktionen, Bildungsangebote begleiten das Jahr. Jedes Bundesland – über die Teilnahme entscheidet jeder Landesmusikrat selbst, die meisten sind inzwischen dabei – entwickelt eigene, derzeit auch der Pandemie angepasste Programme. Demzufolge war die Berliner und Brandenburger Pressekonferenz am 11. Januar erstmals ein digitales, mi wenigen Protagonisten aus dem Musikinstrumentenmuseum übertragenes Ereignis.

2017 wurden Orgelbau und Orgelmusik von der UNESCO als Immaterielles Welterbe anerkannt. Die Orgel ist umgeben von Superlativen. Sie gilt als Königin, ist das größte, das tiefste und höchste, das lauteste und leiseste aller Musikinstrumente. Die klassische Pfeifenorgel mit kleineren Varianten wie Truhenorgel und Regal zählen zur Familie, auch die Drehorgel, das Harmonium, Kino- und Hammond-Orgel. Seit Jahrhunderten erklingen Orgeln in nahezu jeder Kirche, elektronische Orgelklänge haben längst Einzug in die Unterhaltungs- und Pop-Musik gehalten.

„Die Orgel lädt zum Träumen ein,“ meint Schirmherr Bischof Dr. Christian Stäblein von der evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz. Mit ihrer Eigenart, die Luft dieser Welt durch Pfeifen zu pumpen, schaffe sie „Raum für eine andere Welt, für den Traum davon und, wenn sie gespielt wird, die Realität dessen. Luftveränderung. Winde zum Leben.“ Und für Schirmherr Erzbischof Dr. Heiner Koch vom Erzbistum Berlin ist die Orgel das „Instrument der meisten meiner Lebensphasen“. Sie trage seine Gebete. Auch im weltlichen Bereich könne sie ihre „überwältigende Wirkung“ entfalten.

Aufmerksamkeit für die Königin der Musikinstrumente

Braucht die Orgel also spezielle Aufmerksamkeit? „Ja,“ sagt Hella Dunger-Löper, Präsidentin des Berliner Landesmusikrates. Sie will – wie auch die anderen Landesmusikräte gemeinsam mit vielen Kooperationspartnern – die Aufmerksamkeit auf die vielen Facetten der Orgel lenken, mehr Menschen die Begegnung mit diesem Instrument verschaffen, den Genuss des Hörens fördern, über Fertigkeiten des Orgelbaus informieren. Die ganze Vielfalt eines faszinierenden Instruments sei zu feiern. Trotz aller pandemiebedingten „Widrigkeiten“ sei es auch im vergangenen Jahr der Violine gelungen, wichtige Impulse zu setzen.

Die Violine-Schirmherrinnen des Vorjahres verabschiedeten ihre Instrumente klingend. Screenshot: Landesmusikrat

Als „absolut richtige Wahl“ bezeichnete Dr. Klaus Lederer, Berliner Kultursenator, die Orgel – und versuchte sich selbst an einem kurzen Stück an der Mighty Wurlitzer im Musikinstrumentenmuseum. Orgelbau und Orgelspiel seien zu entdecken, schulische Bildungsarbeit werde darauf abzielen, eine Orgel-App informiert.

Prof. Ulrike Liedtke, Präsidentin des brandenburgischen Landesmusikrates, sieht Brandenburg als „Orgelland“ mit weithin bekannten Orgelbauwerkstätten wie Sauer aus Frankfurt (Oder) und Schuke aus Werder. Es gelte u.a. Interesse neu zu wecken, die jetzt noch vollständig im Land zu erfassenden etwa 1500 Orgeln zu erhalten und Nachwuchs zu fördern.

Das Land habe, so Kulturstaatssekretär Tobias Dünow vom brandenburgischen Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur, in den letzten fünf Jahren mehr als 700.000 Euro Fördermittel für Restaurierung und Anschaffung von Orgeln bereitgestellt.

Orgel an jedem Tag

Dazu steht in den Bundesländern viel auf dem Plan. Ein durch alle Kirchenkreise flatterndes Orgelband soll in Berlin und Brandenburg jeden Tag eine Veranstaltung bringen: Konzerte, Führungen, Workshops, Andachten, Filme…  48 Pfeifen eines Orgel–Bausatzes wandern mit und werden am Ende gemeinsam gespielt. 365 Schulklassen sollen eine Orgel besuchen. Muster-Schulstunden und Unterrichtsmaterialien werden zum Download angeboten. Im Wettbewerb „Jugend musiziert“ gibt es eine Sonderausschreibung Harmonium. Auf der von Landesmusikrat und berlinHistory e.V. entwickelten kostenlosen App sind 55 Orgeln online, weitere 200 folgen. Den Höhepunkt bildet der „Tag der Orgel“ am 12. September in Verbindung mit dem Tag des Denkmals.

 

nach oben

weiterlesen

Bremen: Mehrzahl der Musiklehrer*innen fest

"Nachdem wir 2015 an der Musikschule Bremen eine Sprechergruppe der Honorarkräfte gebildet hatten, haben wir durch unermüdliche Verhandlungen und Aktionen erreicht, dass die meisten Honorarkräfte seit dem 1. Januar 2021 eine Festanstellung nach dem TvL haben. Dabei wurde die Berufserfahrung an der Musikschule bei der Einstufung voll anerkannt", berichtet Christian Janssen für die Sprechergruppe.
mehr »

Die Messlatte liegt nun, wo sie hingehört

Grundsätzlich Festangestellte in der kommunalen Musikschule? So sah es ein gemeinsamer Antrag von drei Stadtparlamentsfraktionen in Leverkusen vor. Und so wird es kommen. Denn am 22. März 2021 wurde im Rat abgestimmt: 42 Ja-Stimmen, drei Enthaltungen, eine Gegenstimme. Ein sehr überzeugendes Votum.
mehr »

Theatraler Blick in eine schöne neue Welt?

Vom 10. bis 21. März fand in der Kölner Kirche St. Gertrud das Theaterprojekt „Menschen von Morgen“ statt. In verschiedenen Szenen unter Mitwirkung von chronisch kranken Menschen, Migrant*innen und professionellen Schauspieler*innen inszenierte Regisseur Gregor Leschig gemeinsam mit ihnen einen Blick auf die eigenen Zukunftsentwürfe. Mit Performances, Streams, Einspielungen und Interaktionen, die auch das Publikum mit einbezogen. Die große Frage dabei: Wie sieht unsere Welt in Zukunft aus?
mehr »

Musikschule Mettmann muss offen bleiben!

Gegen die Schließung der Musikschule in Mettmann, die von den Fraktionen von CDU und FDP im Stadtrat betreiben wird, demonstrierten vor der Finanzausschusssitzung am 9. März 2021 rund fünfzig betroffene Musikschullehrer*innen zusammen mit der Dienstleistungsgewerkschaft ver.di, dem Förderverein und Eltern. "Die Musikschule als kultur- und bildungspolitische Errungenschaft muss erhalten bleiben", so Eltern bei der Aktion vor der Stadthalle.
mehr »