EWC sieht die Vielfalt der europäischen Literatur bedroht

Der European Writers` Council (EWC) sieht die Vielfalt der europäischen Literatur und die Wirtschaftskraft des gesamten Buchmarktes auf dem Spiel. Auf Basis einer länderübergreifenden Umfrage entwickelte die Organisation 37 Vorschläge zur Unterstützung von Autor*innen, zum Schutz der Vielfalt der Literatur und der Erhaltung der Wertschöpfungskette im Buchmarkt während und nach der Covid-19-Krise.

Ausgehend von der Umfrage des EWC, die in 24 Ländern erhoben wurde und online verfügbar ist, sind die Folgen für die Autoren und Autorinnen existenzbedrohend, sofern nicht umgehend kurz- und langfristige Maßnahmen eingeleitet werden.

Die wichtigsten Ergebnisse der 30-seitigen EWC-Umfrage: Autoren und Übersetzerinnen haben nicht nur einen erheblichen Verlust aufgrund abgesagter Veranstaltungen, sie haben oft auch keinen Anspruch auf Unterstützung in vielen nationalen Hilfsprogrammen. Es wird erwartet, dass nationale und transnationale Organisatoren von Literaturveranstaltungen auch im restlichen Jahr 2020 Veranstaltungen absagen werden. Die Online-Aktivitäten und der digitale Vertrieb brauchen Unterstützung durch Finanzierung und eine wesentlich autorenfreundlichere Gesetzgebung sowie klarer Vergütungssysteme. Die Verkleinerung der Verlags-Programme werde zu schätzungsweise 150.000 weniger neuen Titeln jährlich in ganz Europa führen.

Die Krise habe die Sollbruchstellen der Buchwelt aufgezeigt: zu niedrige Vergütung, die Rücklagen kaum möglich machen, die fortgesetzt schwache Verhandlungsposition der Autoren und Autorinnen, und die seit Jahren sinkende Vergütung aus digitaler Verwertung. Die Krise zeige ebenso die hilflos geduldeten Abhängigkeiten von Vertriebsmonopolen, und die Lücken von Rechts-, Kultur- und Marktpolitik.

Die 41 Mitgliedsorganisationen des EWC fordern die Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträger auf, rasch und entschlossen zugunsten der Schriftstellerinnen und Übersetzer zu handeln: Europa brauche ein umfassendes politisches Engagement für Kultur.

Der EWC hat in seiner Studie 37 Empfehlungen für kurz-, mittel- und langfristige Maßnahmen zur Unterstützung der Autoren, Autorinnen, Übersetzer und Übersetzerinnen zusammengestellt. Dazu gehören eine durchsetzungsfähige Umsetzung von Kapitel 3 der DSM-Richtlinie zum Urheberrecht, Entschädigungsfonds für vergangene und zukünftige Verluste, Vergütungssysteme für Online-Aktivitäten für Autoren und Autorinnen, nachhaltige Aktionen gegen E-Book- und Hörbuch-Piraterie und »ein Buch für jedes Kind« – zur Unterstützung der Leseförderung,
«Die Folgen der Krise müssen in einen fairen und nachhaltigen Neuanfang umgewandelt werden», fordert EWC-Präsidentin Nina George.

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