Ehrenamtlich gewuppt: Lesen fürs Klima

Am Büchertisch im Park des Gohliser Schlösschens: Katja Junghanns, Buchhandlung Südvorstadt. Foto: Bettina van Suntum

Mit der Klimabuchmesse wollen die Organisationen mehr Klimabewusstsein schaffen – beim Lesepublikum, aber auch innerhalb der Buch- und Medienbranche. Nach einem ersten digitalen Aufschlag zur abgesagten Leipziger Buchmesse 2021 fand die Klimabuchmesse nun vom 13. bis 15. Juni 2022 erstmals in Präsenz statt. „Wir wollen einen Raum für Geschichten geben, die Wege aus der Klimakrise hinaus aufzeigen“, sagt Messe-Kuratorin Gisela Wehrl. Neben Sachbüchern standen Belletristik, Kinder- und Jugendliteratur auf dem Programm.

Die Klimabuchmesse in Leipzig entstand zunächst als gemeinsame Idee der Parents for Future und den Writers for Future. „Die Klimabuchmesse ist ein deutliches Zeichen dafür, dass Autor*innen in der Frage der Klimagerechtigkeit nicht abseits stehen, sondern Sorge für eine gerechte Zukunft tragen“, sagt Sven j. Olsson, stellvertretender Bundesvorsitzender des VS Verband deutscher Schriftstellerinnen und Schriftsteller, der gemeinsam mit Anne Weiss auch die Writers for Future im VS organsiert: „Diesen Wunsch nach Klimagerechtigtkeit tragen die Kolleg*innen aber nicht nur nach außen über ihre Bücher, sondern über die Writers for Future auch nach innen in die Verlagswelt. Deshalb ist die Mitwirkung bei der Klimabuchmesse für den VS und die Writers for Future von großer Bedeutung. Nur gemeinsam können wir den Wandel aufhalten.“ Dieser gemeinsame Gedanke findet sich schon in der Organisationsstruktur: Die ehrenamtlichen Organisationen sind über ganz Deutschland verteilt, wenn auch mit dem Schwerpunkt in der Buchmessestadt Leipzig.

„Es nützt nichts, uns in die Tasche zu lügen”, sagt Bettina van Suntum, Vorsitzende des Klimabuchmesse-Vereins: „Die Klimakrise bedroht unsere Lebensgrundlage und die Politik muss jetzt handeln, damit wir unter 1,5 Grad Erderhitzung bleiben.“ Leider, so die Messe-Organisator*innen, verdrängen die viele Menschen diese Fakten noch – oder verfallen in Schockstarre. „Darum wollen wir mit der Macht der Geschichten viele Menschen aus ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Gruppen zusammenbringen“, sagt Wehrl.

Mit Wissing keine „Autokorrektur“ auf der Klimabuchmesse

Um eine größere Breitenwirkung zu erzielen, holten die Organisator*innen auch den Unternehmerverband Sachsen mit ins Boot. Gemeinsam luden beide Bundesverkehrsminister Volker Wissing zu einer Diskussion mit Bestseller-Autorin Katja Diehl über ihr Buch „Autokorrektur“ (S. Fischer) ein. Doch kurzfristig zog der Bundesverkehrsminister überraschend seine vor Monaten gegebene Zusage ohne Vertretungsperson und ohne Ersatztermin zurück. „Wir haben Herrn Dr. Wissing eingeladen, auf dem Ostdeutschen Energieforum, das am 28. und 29. September 2022 hier in Leipzig stattfindet, die Diskussionsrunde mit Katja Diehl nachzuholen“, sagt Dietrich Enk, Präsident des Unternehmerverbandes.

Brinkbäumer und Diehl auf dem Podium. Foto: Louise Hummel-Schröter

Auf der Klimabuchmesse am 13. Juni sprach dann MDR-Programmchef Klaus Brinkbäumer mit Katja Diehl über „Autokorrektur“. Diehl führte für ihr Buch zahlreiche Interviews, bei denen die Einstiegsfrage immer lautete: „Willst du oder musst du Auto fahren?“ Die Verkehrswende bedeutet für die Autorin daher mehr als eine Antriebswende: „Jedes Auto klaut Platz, jedes Auto erzeugt Mikroplastik. Deswegen dürfen wir jetzt nicht 49 Millionen elektrifizieren und 49 Millionen Ladesäulen hinstellen, sondern wir müssen uns damit beschäftigen, wie wir in Zukunft mobil sein wollen.“

Die zweite Gesprächsrunde am Montag drehte sich um die Frage des Buchtitels: „Wie kann ich was bewegen?“ von Raúl Krauthausen und Benjamin Schwarz, die darin verorten, wie ein konstruktiver Aktivismus aussieht. „Beim Aktivismus geht es um eine progressive Verbesserung der Gesellschaft“, definierte Schwarz. Klimabuchmesse-Schirmherr Wolfram Günther, stellvertretender sächsischer Ministerpräsident, betonte, dass die Demokratie dieses Engagement braucht: „Ich würde mich wundern, wenn ich Demokratie nur im Landtag verorten würde.“

Klimalesungen im Schlösschen

„Am Montag ging es viel um Politik und Aktivismus – und auch darum, wie wir andere Menschen zum Handeln aktivieren können“, sagt Klimabuchmesse-Kuratorin Gisela Wehrl: „Für den Dienstag hatten wir einen etwas anderen Zugang zum Thema geschaffen und ins Gohliser Schlösschen geladen. Dort konnten wir Kinder aktivieren, sich mit dem Thema auseinandersetzen.“ Illustratorin Lena Steffinger („Alles in Bewegung“, Beltz & Gelberg), Autor Roland Bock („Jetzt versteh ich die Bäume“, arsEdition) und der Eichhörner AG des Freundeskreis Buchkinder kamen dazu in den Barockgarten des Schlösschens. Beim anschließenden literarischen Abend stellte Dr. Katrin Schumacher, Autorin und MDR-Redakteurin, mit Lesung und Gespräch den Fuchs als Wappentier des Anthropozäns vor: „Der Fuchs ist schneller als wir Menschen.“ Im Gespräch betonte Autorin Carolin, wie Literatur etwas ändern kann: „Über eine Geschichte das Herz berühren und dann in die Handlung gehen.“

Das Kinder- und Jugendprogramm ist generell ein zentrales Anliegen der Klimabuchmesse. „Bücher eignen sich in besonderer Weise, um mit Kindern über den Klimawandel zu sprechen. Sie klären auf, ohne zu ängstigen, und lassen Raum für eigene Fragen und Gedanken, auf welche Weise wir dieser Krise begegnen können“, erklärt Eva Gerber, mit Inger-Christina Holndonner verantwortlich für das Kinder-, Jugend- und Schulprogramms. Letzteres wurde parallel deutschlandweit direkt in die Klassenzimmer gestreamt und wird nach den Sommerferien aufbereitet zur Verfügung gestellt.

Die Klimabuchmesse 2022 war in Kooperation mit der Leipziger Buchmesse und „Leipzig Liest“ geplant gewesen, etliches Organisatorische wurden mit diesem Support durchgeführt. Nach dem Corona-bedingten Ausfall der großen Partnermesse wollte das Team der Klimabuchmesse aber nicht komplett bis nächstes Jahr warten. Die kommende Ausgabe 2023 planen die ehrenamtlichen Organisator*innen wieder parallel zur Leipziger Buchmesse  vom 27. bis 30. April 2023.

Die Gespräche zu „Autokorrektur“ und „Wie kann ich was bewegen“ stehen auf dem YouTube-Kanal der Klimabuchmesse zur Verfügung.

nach oben

weiterlesen

Honorarumfrage unter Soloselbstständigen

Eine branchenübergreifende Honorarumfrage unter Soloselbstständigen soll für mehr Markttransparenz sorgen. „SO_LOS! Die Initiative für faire Honorare“ wurde zum Start am 13. Juli zunächst von 25 Berufsverbänden, Interessenvertretungen und Zusammenschlüssen von und für Soloselbstständige(n) getragen. Weitere sollen dazu kommen. Konzipiert und organisiert hat die Initiative das „Haus der Selbstständigen“ (HDS) mit Sitz in Leipzig. Zentraler Bestandteil ist eine Online-Umfrage, mit deren Hilfe Daten zu aktuell auf dem Markt zu erreichenden Honorarhöhen erhoben werden.
mehr »

Neue Landes-Arbeitsgruppe Kunst und Kultur in Bayern

Innerhalb der laufenden Organisationswahlen in ver.di wurde im Rahmen der Landesdelegierten-Konferenz der Kunstfachgruppen in Bayern am 9. Juli 2022 die Gründung des ordentlichen Gremiums der Landes-Arbeitsgruppe Kunst und Kultur beschossen.  Zugleich wurden die Vorstände der Landes-Fachgruppen KuK-Bayern gewählt. Der Landes-AG gehören Vertreter *innen der Fachgruppen Musik, Bildende und Darstellende Kunst sowie des VS an.
mehr »

KSK: Novelle soll Webfehler im Gesetz künftig heilen

Endlich gute Nachrichten für alle Soloselbstständigen, die neben einer künstlerischen oder publizistischen Arbeit noch weitere selbstständige Tätigkeiten ausüben: Im Rahmen einer umfassenderen Novelle des Vierten Sozialgesetzbuches sind Änderungen des Künstlersozialversicherungsgesetzes vorgesehen. Danach können Selbstständige künftig in der Künstlersozialkasse (KSK) krankenversichert bleiben, solange ihre kreative Tätigkeit überwiegt. ver.di begrüßt das ausdrücklich.
mehr »

Basishonorare: Wann, wenn nicht jetzt?

ver.di legt Diskussionsvorschlag mit Berechnungsmodell für selbstständige Künstler*innen vor: Kairos bezeichnet den günstigen Zeitpunkt für eine Entscheidung. Ihn nicht zu nutzen, kann fatal sein. Was in der griechischen Mythologie sogar als Gottheit personifiziert ist, betrifft nach ver.di-Auffassung gerade eher Profanes, aber ungemein Wichtiges: Die Festlegung von Basishonoraren für selbstständige Kreative. Ein gewerkschaftlicher Diskussionsvorschlag dazu wurde bereits vorgestellt. Nun gibt es die energische Einladung zur Partizipation.
mehr »