China: Schriftsteller kommt wegen Spionage vor Gericht

Amnesty International setzt sich weltweit auch für bedrohte Künstler*innen ein und macht ihr Schicksal publik. Der australisch-chinesische Schriftsteller Yang Hengjun muss sich bald in Peking vor Gericht verantworten. Er befindet sich bereits seit mehr als zwei Jahren in Haft. Ihm wird Spionage vorgeworfen, doch dürften die wahren Gründe für seine drohende Verurteilung andere sein. Denn Yang Hengjun setzt sich als Blogger für ein demokratisches China ein.

Ursprünglich hatten die chinesischen Behörden verkündet, dass der Prozess gegen Yang Hengjun vor dem Zweiten Mittleren Volksgericht in Peking im Januar 2021 beginnen sollte. Doch dann hieß es: Verfahrensbeginn vertagt. Für den Schriftsteller bedeutet das eine weitere Verlängerung der willkürlichen Haft, die bereits seit mehr als 26 Monaten andauert.

Denn hinter Gittern ist der Autor von Spionageromanen seit dem 18. Januar 2019, als er aus den USA kommend am Flughafen von Guangzhou von Sicherheitskräften festgenommen wurde. Ein halbes Jahr später wurde ihm mitgeteilt, dass ihm Spionage vorgeworfen wird – ein Straftatbestand, der in China theoretisch mit dem Tode bestraft werden kann. Weitere Begründungen für die Vorwürfe gab es bis heute nicht. Stattdessen wurde Yang Hengjun nach eigenen Angaben mehr als 300 Stunden lang verhört, in vielen Fällen nachts und oft gefesselt. In seiner Zelle soll ständig das Licht brennen, er wirft den Behörden Folter vor. Doch er betont, dass er standhaft bleiben werde und sich weigere, irgendetwas zuzugeben. „Ich werde niemals ein Geständnis für etwas ablegen, das ich nicht getan habe“, zitiert ihn BBC Australia. Das Verfahren werde viel darüber aussagen, „ob das Gericht von Rechtsstaatlichkeit oder von absoluter Macht geleitet wird.“

Kritiker der Kommunistischen Partei

Yang Hengjun war früher Mitarbeiter des chinesischen Außenministeriums, arbeitete dann in Hongkong, das er 1999 in Richtung Australien verließ. 2002 erhielt er die australische Staatsbürgerschaft, was von China nicht anerkannt wird. Vor seiner Festnahme lebte Yang Hengjun in den USA, wo er als Gastdozent an der Columbia University tätig war.

Als Blogger hat er sich immer wieder zu Wort gemeldet und aktuelle Themen aus China kommentiert. Dass er sich in seinen Texten kritisch gegenüber der Kommunistischen Partei Chinas äußerte und einen demokratischen Wandel forderte, dürfte den Behörden in Peking ein Dorn im Auge gewesen sein. Denn dass die chinesischen Behörden versuchen, jede Stimme mundtot zu machen, die das gegenwärtige System in Frage stellt, ist nicht erst seit Yang Hengjuns Festnahme bekannt.

Appell von Amnesty International

Amnesty International fordert die umgehende und bedingungslose Freilassung von Yang Hengjun, weil die chinesischen Behörden keine glaubwürdigen Beweise dafür vorgelegt haben, dass der Schriftsteller eine international als Straftat anerkannte Handlung begangen hat. Die Organisation ruft dazu auf, sich mit Appellen für seine Freilassung einzusetzen. Schreiben Sie an den zuständigen Staatsanwalt:

Zhang Yukun
Beijing No 2 People’s Procuratorate
18, Zhifang Lu, Fengtai Qu
Beijing Shi, 100078
VOLKSREPUBLIK CHINA

Senden Sie eine Kopie an:

Botschaft der Volksrepublik China
S. E. Herrn Ken Wu
Märkisches Ufer 54
10179 Berlin
Fax: (030) 27 58 82 21
E-Mail: presse.botschaftchina@gmail.com

 

 

nach oben

weiterlesen

Blacklists: Von wegen angemessen beteiligt

Deutschland muss bis Juni die EU-Urheberrechtsrichtlinie umsetzen. Die „angemessene Beteiligung“ von Autoren und Künstlern, die im deutschen Urheberrecht schon seit 2002 festgeschrieben ist, bleibt bisher überwiegend ein Traum. Unterstützt die jetzige Novelle Kreative wirksam darin, eine angemessene Vergütung notfalls vor Gericht einzuklagen? Ein Gespräch mit Urheberrechtsanwalt Victor Struppler.
mehr »

Berlin: Musikalische Bildung geht nur mit Präsenz

Angemessene Honorare, bessere soziale Absicherung, mehr Festanstellungen und ein Tarifvertrag für Honorarlehrkräfte sind Forderungen, für die wir von der ver.di-Fachgruppe Musik in Berlin uns inzwischen seit fast einem Jahrzehnt stark machen. Unser Engagement lohnt sich mit mehr Festanstellungen und Honorarerhöhungen. Nicht zuletzt ist seit dem 10. Mai Präsenzunterricht an den Musikschulen wieder möglich.
mehr »

Hoffnung, Erwartung und Herausforderung in NRW

"Wir stehen hier mit der Erwartung, dass unsere berechtigten Forderungen aufgenommen werden“, erklärte Martin Ehrhardt von der ver.di-Fachgruppe Musik in NRW zum Entwurf des neuen Kulturgesetzes, das die grundsätzliche Festanstellung von Musikschullehrer*innen anstrebt. Es zielt, bisher einmalig in Deutschland, auf die Absicherung aller Kulturschaffenden in Musik, Kunst, Literatur, Theater oder Museen. Noch ist es nicht in trockenen Tüchern.
mehr »

Theatraler Blick in eine schöne neue Welt?

Vom 10. bis 21. März fand in der Kölner Kirche St. Gertrud das Theaterprojekt „Menschen von Morgen“ statt. In verschiedenen Szenen unter Mitwirkung von chronisch kranken Menschen, Migrant*innen und professionellen Schauspieler*innen inszenierte Regisseur Gregor Leschig gemeinsam mit ihnen einen Blick auf die eigenen Zukunftsentwürfe. Mit Performances, Streams, Einspielungen und Interaktionen, die auch das Publikum mit einbezogen. Die große Frage dabei: Wie sieht unsere Welt in Zukunft aus?
mehr »