Bibliothek zeigt zerstörte Bücher nun im Foyer

Stadtbibliothek Tempelhof-Schöneberg: Hier wurden Bücher aus offenbar rechtsradikalen Motiven zerstört. Foto: Christian von Polentz

In der Berliner Bezirksbibliothek Tempelhof-Schöneberg sind im September neuerlich mutwillig Bücher zerschnitten und unbrauchbar gemacht worden. Die Tat folgte dem Muster der bereits zuvor öffentlich gemachten Zerstörungen. Immer handelt es sich um Werke, die sich kritisch mit rechtem Gedankengut auseinandersetzen oder linke Theorien und die Geschichte des Sozialismus betreffen. Die Bibliothek reagiert und die Polizei ermittelt.

Insgesamt 19 Bücher, so vermeldet der RBB, seien inzwischen unbrauchbar gemacht. Auch im September wurden vermutlich mit einer Schere ganze Seitenbündel herausgeschnitten. Wohl wieder auf der Toilette, denn diesmal fanden sich die Bände direkt dort im Papierkorb. Es handelt sich bei den letzten Beschädigungen, so wurde der kuk-Redaktion in einem Leserbrief mitgeteilt, um folgende vier Titel:

„Im Schatten der Eule“ von Viktor Streck
„Von der Pflicht“ von Richard David Precht
„Antwort auf Richard David Prechts ‚Von der Pflicht'“ von Christian Schwochert
„Cäsar lässt grüßen: Die Geschichte der Römer“ von Joachim Fernau

Die Parallelen zu den Zerstörungen Ende Juli sind offenkundig. Bibliotheksleiter Boryano Rickum hatte sie damals öffentlich gemacht und auch davon berichtet, dass die Bibliothek im Eva-Maria-Buch-Haus in Tempelhof schon öfter Angriffen ausgesetzt war: Immer wieder mussten rechte Schmierereien an und im Gebäude bereinigt, anonyme oder Flyer rechtspopulistischer Gruppen beseitigt werden.

Die Vorfälle wurden stets auch der Polizei gemeldet. Nach dem letzten Vorfall soll nun nicht nur wegen der angezeigten Sachbeschädigung, sondern auch wegen Volksverhetzung ermittelt werden, wie die Behörde mitteilte.

Neuerlich reagiert auch die Bibliotheksleitung. Ein Wachschutz wurde installiert. Zudem müsse für Toilettengänge jetzt ein Schlüssel an der Rezeption abgeholt werden, wodurch man sich etwas mehr Kontrolle erhofft.

Als weiteren Schritt präsentiert die Bücherei die zerstörten Bücher selbst nun im Foyer. Dort liegen sie in einer Vitrine jetzt als Mahnung aus. Komplette Ausgaben dieser Buchtitel stehen zur Ausleihe bereit. Der Vorschlag, dass auch andere Bibliotheken bundesweit ihre Nutzer*innen über den Vorfall informieren und sie sensibilisieren sollten, wurde bereits gemacht.

Zum ausführlichen kuk-Bericht vom September geht es hier

 

 

 

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