Aufruf zum Jahr der Kultur 2021: Endlich Taten!

Schon vor der Corona-Krise lebten viele Künstlerinnen und Künstler in unsicheren Verhältnissen. Die Politik hat teils prekäre Zustände jahrelang geduldet. Nun zwingt die Corona-Krise auch Künstler*innen, die vor der Krise von ihrer Tätigkeit leben konnten, in die Grundsicherung. Die Arbeitsgruppe Kunst und Kultur von ver.di regt an, ab Herbst 2020 bundesweite Aktionen durchzuführen, um in einem »Jahr der Kultur 2021« energisch auf diese Situation aufmerksam zu machen.

Auch wenn die Politik den erleichterten Zugang zur Grundsicherung als enorme Leistung feiert, ist das für die Betroffenen bestenfalls eine Notlösung: «Demokratierelevant mit Hartz IV? – Künstlerinnen und Künstler brauchen mehr als Applaus und warme Worte!», sagt die aus den Bundesvorsitzen*den der ver.di-Kunstfachgruppen und der ver.di-Kulturbeauftragten bestehende Arbeitsgruppe.
Die aufgelegten Soforthilfe-Programme der Länder hätten vielen Künstlerinnen und Künstlern über die ersten Monate der Pandemie hinweg geholfen, waren aber nach kurzer Zeit ausgeschöpft bzw. seien nicht auf die Arbeitsbedingungen von Soloselbstständigen zugeschnitten, ebenso wenig wie das von Kulturstaatsministerin Monika Grütters gestartete Programm »Neustart Kultur«.
Für das kommende Jahr sei selbst bei einem möglichen Ende der Pandemie und der Wiederaufnahme des Kulturbetriebs mit weiteren Verschlechterungen zu rechnen, denn Selbstverpflichtungserklärungen zum Erhalt von Kulturangeboten seien in Ländern und Gemeinden wegen der aktuell wegbrechenden Steuereinnahmen kaum zu erwarten, und Kultur gehöre noch immer nicht zu den staatlichen Pflichtaufgaben.

«Die in ver.di organisierten professionellen Kulturschaffenden wollen die ständige Diskrepanz zwischen Sonntagsreden und Montagshandeln der Politik nicht länger hinnehmen und erklären deshalb das Jahr 2021 zum `Jahr der Kultur` – gerade jetzt, in einer Zeit, in der alle besonders merken, wie sehr ihnen kulturelle Veranstaltungen fehlen und in der uns die gedruckten oder gesendeten Werke und Interpretationen durch die Zeit helfen.» Die ver.di-Kultur-AG erklärt in ihrem Aufruf, dass es gerade jetzt an der Zeit sei, auf politischer Ebene grundlegend etwas zu ändern und endlich Taten folgen zu lassen, die die gesellschaftliche Leistung der Kreativen wirklich anerkennen.

Deshalb rege die Arbeitsgruppe an, «ab Herbst 2020 bundesweite Aktionen durchzuführen»: «Wir sind nicht damit einverstanden, dass Künstlerinnen und Künstler dauerhaft in Hartz IV gedrängt werden! Wir sind nicht damit einverstanden, dass wir uns weiterhin um befristete Corona-Stipendien bewerben müssen, um überhaupt noch `Einnahmen`zu erzielen!»

Dem drohenden Kultur-Kahlschlag sei am besten gemeinsam etwas entgegensetzen. «Deshalb suchen wir aktive Kulturschaffende, die sich – auch als Nichtmitglied in ver.di – mit uns solidarisieren möchte und Lust haben, ehrenamtlich ihre Ideen und Kreativität digital oder analog mit in unsere Kampagne zum `Jahr der Kultur 2021` einzubringen.» ver.di soll als Plattform der Interessenvertretung gestärkt werden. «Wer den Künstlerinnen und Künstlern mit uns gemeinsam Gehört verschaffen will, ist herzlich eingeladen, sich einzubringen.» Ideen, Vorschläge für Aktionen und die Bereitschaft, sich zu beteiligen sollten unter kunst@verdi.de angemeldet werden. Der vollständige Aufrufstext kann hier nachgelesen werden.

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