Aslı Erdoğan von türkischem Gericht freigesprochen

Mahnwache für Aslı Erdoğan vor dem Frauengefängnis Bakırköy am 14. November 2016, v.l.n.r.: Christoph Links (Ch. Links Verlag), Stephan Trudewind (Edition Orient), Alexander Skipis (Börsenverein des Deutschen Buchhandels e.V.), Ilija Trojanow (PEN-Zentrum Deutschland) Foto: Börsenblatt/picture alliance/Cem Turkel

Am 14. Februar wurde die Autorin Aslı Erdoğan von einem türkischen Gericht freigesprochen. Seit ihrer Verhaftung 2016 hatten sich zahlreiche Institutionen im In- und Ausland, speziell auch der Börsenverein des Deutschen Buchhandels, intensiv für die Freilassung und ein Ende der Verfolgung der mit zahlreichen Literaturpreisen geehrten türkischen Autorin und Journalistin eingesetzt.

Erdoğan wurde am 16. August 2016 in Istanbul im Rahmen einer Verhaftungswelle von Journalisten und Mitarbeitern der pro-kurdischen Tageszeitung Özgür Gündem festgenommen. Ihr wurde „Propaganda für eine illegale Organisation“ und „Volksverhetzung“ vorgeworfen. Als Beweismittel gab das Gericht Artikel und Kolumnen Erdoğans an. Im November 2016 forderte die Staatsanwaltschaft in Istanbul u.a. wegen Mitgliedschaft und Propaganda für die verbotene kurdische Arbeiterpartei PKK lebenslange Haft für Aslı Erdoğan.

Im November 2016 wurde eine Mahnwache deutscher Medien- und Kulturschaffender vor dem Istanbuler Gefängnis organisiert, in dem die Autorin inhaftiert war. Ende Dezember 2016 wurde der Prozess gegen Erdoğan und acht weitere Angeklagte eröffnet. Überraschend ordnete der Richter an, die schwerkranke Aslı Erdoğan aus der Untersuchungshaft zu entlassen. Im September 2017 wurde wesentlich unter Druck aus Deutschland auch die Ausreisesperre für Erdoğan aufgehoben.

Kurz vor der Verleihung des Erich-Maria-Remarque-Friedenspreises der Stadt Osnabrück durfte die Autorin schließlich ausreisen und konnte an der Preisverleihung teilnehmen. Von Oktober 2017 bis September 2019 war Aslı Erdoğan Gastautorin des Programms „Stadt der Zuflucht“ in Frankfurt am Main, das von der Frankfurter Buchmesse und der Stadt organisiert wird.

„Wir sind glücklich und freuen uns sehr für Aslı Erdoğan, dass das türkische Gericht sie von den haltlosen Vorwürfen gegen sie freigesprochen hat», erklärte jetzt Alexander Skipis, Hauptgeschäftsführer des Börsenvereins. Er forderte weiterhin von der Türkei, alle aus politischen Gründen angeklagten und inhaftierten Kulturschaffenden freizusprechen und freizulassen – auch etwa den Kulturmäzen und Verleger Osman Kavala, der trotz der Forderung des Europäischen Gerichtshofs für Menschenrechte weiterhin zu Unrecht im Gefängnis sitzt.

Am 13. Februar war in Istanbul bereits weiter gegen den Journalisten Deniz Yücel verhandelt worden, der – wie seine deutsch-türkische Journalistenkollegin Mesale Tolu – unter Auflagen aus der Untersuchungshaft entlassen wurde und ausreisen konnte. Die Vorwürfe belieben bestehen. Yüzel soll mit seinen Berichten „Propaganda für eine Terrororganisation“ und „Aufstachelung des Volkes zu Hass und Feindseligkeit“ betrieben haben. Die Staatsanwaltschaft hat jetzt bis zu 16 Jahre Haft für ihn gefordert. Am 25. Februar wird auch der Prozess gegen Mesale Tolu in Instanbul fortgeführt.

 

 

nach oben

weiterlesen

Theatraler Blick in eine schöne neue Welt?

Vom 10. bis 21. März fand in der Kölner Kirche St. Gertrud das Theaterprojekt „Menschen von Morgen“ statt. In verschiedenen Szenen unter Mitwirkung von chronisch kranken Menschen, Migrant*innen und professionellen Schauspieler*innen inszenierte Regisseur Gregor Leschig gemeinsam mit ihnen einen Blick auf die eigenen Zukunftsentwürfe. Mit Performances, Streams, Einspielungen und Interaktionen, die auch das Publikum mit einbezogen. Die große Frage dabei: Wie sieht unsere Welt in Zukunft aus?
mehr »

Was tun für faire Arbeit in Kunst und Kultur?

Die Coronakrise erschüttert die Kulturbranche im Fundament. Das strahlt weit in die Gesellschaft aus. Was aus der Situation für den Kulturbereich zu lernen ist, debattierte die Bundestagsfraktion Die Linke mit Gästen. „Kultur. Klasse. Krise“ war die gemeinsame Veranstaltung mit der Rosa-Luxemburg-Stiftung am 9. März überschrieben. ver.di-Gewerkschaftssekretärin Lisa Basten und andere Experten waren aufs digitale Podium geladen.
mehr »

Es geht um Stabilisierung, vor allem aber um Zukunft

Im Oktober 2020 wurde im Rahmen von „Neustart Kultur“ ein 65-Millionen-Programm zur Förderung freischaffender Künstler*innen und freier Gruppen in der bundesdeutschen Theater-, Performance- und Tanzlandschaft bereitgestellt. Der Fonds Darstellende Künste organisiert die Förderung, 50 Millionen Euro sind bereits vergeben worden. Wir baten Geschäftsführer Holger Bergmann um eine Zwischenbilanz.
mehr »

Bonn – mal im Spiegel der Literatur

Für eine Stadt mit etwa 330.000 Einwohner*innen hat die frühere Bundeshauptstadt Bonn eine beachtliche Geschichte als Handlungsort von Literatur. Berühmte Beispiele sind Heinrich Bölls Roman „Ansichten eines Clowns“ oder Juli Zehs „Spieltrieb“. Auf einer vielseitigen Online-Lesung präsentierten jetzt sieben Schriftsteller*innen eigene Texte sowie Auszüge aus Werken anderer Autor*innen, die allesamt Bonn-Bezug hatten. Ein Beteiligter berichtet.
mehr »