25 Jahre MedienGalerie: Ein Juwel in ver.di

Ausstellung Sheroes in der Mediengalerie Foto: Christian von Polentz

Dudenstraße, Berlin: Hinter den großen Frontscheiben im Erdgeschoss lädt seit nunmehr 25 Jahren die deutschlandweit einmalige ver.di-MedienGalerie zu spannenden Ausstellungsbesuchen ein. Im ehemaligen Haus der Buchdrucker kann die Gewerkschaft dank eines rührigen Galerierats zum Jubiläum auf fast 150 Ausstellungen zurückblicken. Und es gibt Pläne, wie es weitergehen kann mit Corona und im Zuge der Fusion von ver.di-Fachbereichen.

Gegründet 1995 als Kind der IG Medien, gingen das Haus und die MedienGalerie 2001 in den Besitz von ver.di über. Die MedienGalerie ist seitdem eine Einrichtung des ver.di-Landesbezirks Berlin-Brandenburg. Die Themen lehnen sich an die gewerkschaftliche Arbeit des „ver.di-Fachbereichs 8 Medien, Kunst und Industrie“ an oder behandeln aktuelle und historische politische Stoffe. Wiederkehrende Schwerpunkte sind Internationales, Antifaschismus, Karikaturen und Erwerbslosigkeit.

Eigentlich schon ab Mai 2020 sollte die Jubiläumsausstellung „ZeichenSetzen – BildSprache für eine bessere Welt“ gezeigt werden, gestaltet von den „AnStiftern“ Peter Grohmann und Jochen Stankowski. Coronabedingt kam alles anders, auch die MedienGalerie musste fast vier Monate schließen. So startete die Ausstellung erst am 3. September, ohne feierliche Eröffnung. Einen direkten Bezug zum 25. Geburtstag gibt es nicht. „Die interkulturelle Initiative `Die AnStifter´ aus Stuttgart besteht ebenfalls seit 25 Jahren und das Anliegen, Zeichen zu setzen, ist uns gemeinsam“, sagt Constanze Lindemann, Historikerin, Druckerin und Mitstreiterin der ersten Stunde.

Originäres Projekt der IG Medien

„In den Kunst- und Künstlerfachgruppen der IG Medien träumte man von einem öffentlichen Raum, um sich präsentieren zu können“, erinnert sich Andreas Kühn, nach dem Mauerfall Gewerkschaftssekretär Kunst im Landesbezirk Berlin-Brandenburg der IG Medien. „Ich habe also ein Konzept zur Vorlage beim Vorstand verfasst.“ Mit dem Namen „Medien-Galerie“ – der Bindestrich fiel später weg – habe er ausdrücken wollen, dass es um den künstlerisch-politischen Anspruch, um die kulturpolitischen Inhalte der IG Medien ging.

Nachdem die Verwaltung des Landesbezirks Berlin-Brandenburg in den 1. Stock gezogen war, konnte 1995 die Galerie im Erdgeschoss eingerichtet werden, unter tatkräftiger Mithilfe von Dieter Ruckhaberle, Maler und Mitbegründer der IG Medien.

Anfangs galt das strenge Prinzip „Keine Einzelausstellungen“. Nicht einzelne Künstler sollten sich profilieren, sondern man wollte dem gewerkschaftspolitischen Anspruch entsprechend eine Öffentlichkeit über den sozialen und politischen Status des Künstlers herstellen, so Kühn. „Neben Kunstwerken wollten wir auch Dokumentationen zeigen. Unsere Intention war eine Mischung aus Kunstwerken und politischer Aufklärung, ganz in gewerkschaftlicher Tradition war uns auch die Bildung wichtig.“ Um diese Prinzipien zu wahren, wurde ein Galerierat installiert, berufen vom Vorstand der IG Medien. Außerdem wurde ein Förderverein gegründet. Die Mitglieder des Galerierats sind ehrenamtlich tätig und dem Landesfachbereichsvorstand rechenschaftspflichtig.

Historisch aufgeladenes Eröffnungsdatum

Für den ersten Aufschlag wählten die Initiatoren gezielt ein historisches Datum. Bezogen auf das stadtweite Bündnis „Nie wieder“ öffnete die MedienGalerie am 2. Mai 1995, zum 50. Jahrestag der Befreiung Berlins, ihre Pforten. Gezeigt wurde die Ausstellung „verbrannt – befreit – verhüllt. Der Reichstagsbrand und das neue Deutschland“.

Vor allem die Kulturfachgruppen tragen die MedienGalerie: So nutzt die Fachgruppe Bildende Kunst die Räume kontinuierlich, der VS veranstaltet Lesungen, die Fachgruppe Musik ist ab und zu vor Ort. Aber auch andere Fachgruppen und -bereiche, andere Gewerkschaften oder nicht-gewerkschaftliche Initiativen treten an den Galerierat mit Ausstellungs- und Veranstaltungsideen heran, teilweise mit fertigen Ausstellungen im Gepäck.

Die Malerin Barbara-Salome Trost ist in der ver.di-Fachgruppe Bildende Kunst aktiv. Gern gestaltet und organisiert sie für die Fachgruppe in der MedienGalerie Ausstellungen, stellt auch eigene Werke aus. „2007 habe ich in der MedienGalerie meine erste Ausstellung `Wasseransichten´ organisiert. Sie entstand aus meiner Zusammenarbeit mit Elisabeth Mann-Borgese, der jüngsten Tochter von Thomas Mann. Wasser ist mein Thema als Malerin, ein sehr politisches, das auf der ganzen Welt immer mehr an Brisanz gewinnt“, erläutert Trost.

Inzwischen hat es sich eingespielt, dass die Fachgruppe Bildende Kunst jedes Jahr in der MedienGalerie ausstellt, meist zum Jahresende. Noch in diesem Jahr kommt eine Ausstellung mit dem vielversprechenden Titel „Lock Down“.

Manchmal organisiert und gestaltet der Galerierat selbst eine gemeinsame Ausstellung. „Wir planen für das nächste Jahr ein Projekt zum Thema Gesundheit“, so Lindemann. „Wir holen uns meist Kooperationspartner mit ins Boot, in diesem Fall den ver.di-Fachbereich Gesundheit.“

Aus wenig viel machen

Das Budget der Galerie ist schmal: Ganze 5000 Euro bewilligt der Landesfachbereich im Jahr. „Das ist nicht viel, aber irgendwie kriegen wir es hin“, so Lindemann. Kosten entstehen beispielsweise für Bilderrahmen, Drucke und Transporte sowie für den Versand der Einladungskarten. Und wenn die Fachgruppe Bildende Kunst ausstellt, zahlt der Fachbereich ein bescheidenes Künstlerhonorar. Für die Übernahme fertiger Ausstellungen wird teilweise eine Leihgebühr fällig. „Einnahmen generieren wir nicht, Spenden sind daher willkommen.“

Die MedienGalerie wollte in den 25 Jahren ein kulturelles, informatives Begegnungszentrum sein, ein Freiraum jenseits von Tarifverhandlungen und unmittelbaren betrieblichen Belangen – auch für Kolleg*innen aus anderen Bereichen. Zum Teil sei das gelungen, so Lindemann: „Andere gewerkschaftliche Gruppen oder Organisationen wie das Komitee Ravensbrück führen hier Versammlungen durch. Aber die gewerkschaftlichen Perspektivdiskussionen hätten in der letzten Zeit intensiver sein können. Die kämpferische, politisch linke Initiative ist schwächer geworden.“ Sie fände es schön, wenn die MedienGalerie wieder ein Ort würde, von dem vermehrt gesellschaftspolitische Impulse ausgehen, das sei – auch im Hinblick auf die harten Auseinandersetzungen mit den Neonazis – wichtiger denn je.

In Zukunft digitaler?

Im Förderverein gab es Gespräche zur Weiterentwicklung der MedienGalerie, die sich im 21. Jahrhundert etablieren und nicht nur rückwärtswenden soll. „Welche Chancen haben wir im neu zusammengewürfelten Fachbereich A?“, orakelt Lindemann. Um das auszuloten, will der Galerierat Verantwortliche aus den Fachbereichen, mit denen der bisherige „FB 8“ fusioniert, einladen und ihnen die Galerie nahebringen. „Wir möchten, dass die MedienGalerie erhalten und weiter finanziert wird.“

In Zukunft sollen digitale Medien stärker in den Fokus rücken, Ausstellungen öfter im Netz präsent sein. Der videoaffine Andreas Kühn hat etwa über die letzte Ausstellung „SHEROES – Ikonen des zivilen Ungehorsams“ einen Film gedreht, der auf YouTube mehr als 1200 Mal geklickt wurde. In diese Richtung soll es vermehrt gehen. „Mit dem Übergang ins digitale Zeitalter wollen wir auch Jüngere ansprechen, Nachwuchs für die MedienGalerie werben“, so Lindemann.

Großes Lob kommt von der Künstlerin: „Die MedienGalerie ist einer der letzten Orte, der wirklich offen für Begegnungen ist. Wir haben damit in Berlin etwas ganz Besonderes: Einen wunderbaren Ort, an dem Menschen zusammenkommen, der nicht abgehoben, sondern bodenständig geblieben ist. Den muss man schützen und erhalten, weil er ein Juwel ist innerhalb Deutschlands und innerhalb von ver.di. Ein Statement für die Kunst“, so Trost.

 

Der Beitrag wurde redaktionell leicht gekürzt. Die vollständige Version ist zuerst in der Printausgabe 3/2020 von „Menschen Machen Medien“, der medienpolitischen Zeitschrift von ver.di, erschienen.

nach oben

weiterlesen

Ihre Musik wurde abgeschafft

Mit der momentanen Lage beschäftigt sich auch Conni Maly, für die Musik machen Beruf und Berufung ist. Neben eigenen Auftritten und Studioarbeit befasste sich die Sängerin/Songwriterin mit „Kinder bespaßen als Bildungsprogramm“. Sie arbeitet normalerweise tagsüber in Kitas, Grundschulen und Flüchtlingseinrichtungen. Nur: „Meine Musik wurde abgeschafft“, heißt es in ihrem Video, das hier abgerufen werden kann.
mehr »

Berlin: Musikalische Bildung geht nur mit Präsenz

Angemessene Honorare, bessere soziale Absicherung, mehr Festanstellungen und ein Tarifvertrag für Honorarlehrkräfte sind Forderungen, für die wir von der ver.di-Fachgruppe Musik in Berlin uns inzwischen seit fast einem Jahrzehnt stark machen. Unser Engagement lohnt sich mit mehr Festanstellungen und Honorarerhöhungen. Nicht zuletzt ist seit dem 10. Mai Präsenzunterricht an den Musikschulen wieder möglich.
mehr »

Wenn der Haussegen schief hängt

Lotte Schwenkhagen hat sich bildlich und textlich mit der Situation der Künstler*innen in der Pandemie auseinandergesetzt. Text zum Bild von Lotte Schwenkhagen
mehr »

Professionell umgeschaltet

Der Musiker und Fotograf  Frank Wiesen suchte und fand Kolleg*innen, die wie er "umgeschaltet" haben und in der Pandemie anderen Tätigkeiten nachgehen. Wiesen, üblicherweise weltweit auf Tour, zeigt seine Berufskolleg*innen positiv janusköpfig in ihren zwei Professionen. Zwölf Künstler*innen haben nicht nur vor der Kamera gestanden, sie geben auch über ihre Lage Auskunft: Abgeschaltet Texte
mehr »