Von nächtlichen Träumen und visionären Bildern

Collage von Preisträgerin Barbara Breitenfellner. Screenshot: Haus am Kleistpark

Im Berliner Haus am Kleistpark werden gegenwärtig Werke gezeigt, mit denen sich Künstlerinnen um den Marianne-Werefkin-Preis 2020 bewarben. Die Jury verlieh die besondere Ehrung diesmal an Barbara Breitenfellner. In der Ausstellung zeigt die Preisträgerin auch Collagen wie diese großformatige, in der fotografisches Material nach seinem Wahrheitsgehalt untersucht wird.


Der Marianne-Werefkin-Preis ist mit 5.000 Euro dotiert und wird seit nunmehr 30 Jahren vom Verein der Berliner Künstlerinnen 1867 vergeben. Der Kunstpreis war deutschlandweit einst die erste Auszeichnung, mit der ausschließlich Künstlerinnen geehrt werden.

Barbara Breitenfellner präsentiert in der Ausstellung eine raumgreifende Installation, die einen ihrer nächtlichen Träume über Kunst und das Kunstmachen inszeniert. Traumbilder sind die Grundlage ihres künstlerischen Werks. Kunst „ist Teil unserer Welt und nicht von ihr getrennt“, sagt Breitenfellner. Sie gehe in ihrer künstlerischen Praxis von der Prämisse aus, dass die Wirklichkeit aus Bildern und Visionen konstruiert ist. So thematisiert sie unsere technologisch und medial geprägte Gegenwart, unseren Umgang mit der uns täglich umgebenden Bilderflut sowie die Entstehung von (Rollen-)Bildern.

Die Ausstellung im Haus am Kleistpark, die noch bis zum 28. Juni läuft, zeigt auch Arbeiten der anderen Nominierten für den Marianne-Werefkin-Preis. Kerstin Drechsel, Harriet Groß, Aneta Kajzer, Rona Kobel, Anna Lehmann-Brauns, Mara Loytved-Hardegg, Rebecca Raue, Fiene Scharp und Nanaé Suzuki stellen zeitgenössische Positionen von Berliner Künstlerinnen zur Debatte, die in Tonalität, Handschrift und Arbeitsweise sehr verschieden gesellschaftliche Prozesse reflektieren. Baldmöglich sollen in der kommunalen Galerie des hauptstädtischen Bezirks Tempelhof-Schöneberg auch wieder Führungen in Kleingruppen angeboten werden.

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