9 Millionen mehr für Berliner Musikschulen

Bewusste Täuschung. Die Instrumente blieben stumm: "Keinen Ton für diesen Lohn" am 20. September auf dem Potsdamer Platz.
Foto: Christian von Polentz

„Keinen Ton für diesen Lohn!“, hieß es am 20. September auf dem Potsdamer Platz in Berlin. ver.di und die Partner im Aktionsbündnis hatten zur Musikschuldemo aufgerufen und trotz früher Stunde kamen viele angestellte Musikschullehrer*innen und Honorarkräfte um klarzumachen: Für die Musikschulen der Hauptstadt müssen reichlich neun Millionen Euro mehr in den Doppelhaushalt 2020/21!

Eingeplant sind diese Millionen bisher nicht. Und da an diesem Freitag im nahen Abgeordnetenhaus die erste Lesung des entsprechenden Einzelplans zum Doppelhaushalt stattfand, machten Aktive öffentlichkeitswirksam darauf aufmerksam, dass für die Berliner Musikschulen mehr Geld gebraucht wird. Dabei blieb es diesmal bei der Demo minutenlang völlig still. Die mitgebrachten Instrumente wurden zwar ausgepackt und gestimmt, aber sie ertönten bei interaktiven Demonstrationen absichtsvoll nicht: Wenn die zusätzlichen Mittel nicht kommen, drohen Unterrichtseinheiten zu verstummen, Aufnahmestopp oder Entgelterhöhung für die Musikschüler*innen könnten folgen. Dagegen protestieren die Berliner Musikschullehrer*innen.

Mit Aktionspostkarten, die anschließend im Abgeordnetenhaus übergeben wurden, erinnerten sie den Senat an seine Verantwortung. Zu der Aktion hatten auch Landesmusikrat, Landes-Musikschullehrervertretung, Deutsche Orchestervereinigung und das Berliner Musikschulbündnis aufgerufen. „Trotz der besonders für Musiker*innen ungewohnt frühen Stunde, um 8.30 Uhr, war die Beteiligung prima“, freut sich Annette Breitsprecher, Vize-Vorsitzende des ver.di-Landesfachgruppenvorstands Musik Berlin-Brandenburg.

Die Mehrkosten, erläutert sie, seien aus verschiedenen Gründen einzuplanen. „Mit einer neuen Ausführungsvorschrift, die allerdings noch nicht in Kraft gesetzt wurde, soll es erstmals seit Langem nennenswerte Honorarerhöhungen für die freien Lehrkräfte geben.“ Wenn dafür nicht zusätzliche sechs Millionen im Haushalt eingeplant werden, müsste im Gegenzug Unterricht heruntergefahren werden: „Das will niemand.“ Weitere Zusatzkosten von reichlich drei Millionen Euro entstehen, wenn alle Berliner Musikschulen einheitlich mit sogenannten Vollzeit-Funktionsstellen ausgestattet werden. Das sind Stellen für instrumentale Fachgruppenleiter*innen, sogenanntes pädagogisches Management, die in Vollzeit ausgeübt werden und entsprechend bezahlt werden müssen. Auch sie sind in den bisherigen Finanzplanungen nicht berücksichtigt.

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