LiBeraturpreis nur für Frauen aus dem Süden

Bei der Verleihungsgala sprach Mercedes Rosende aus Uruguay (Mitte) mit Übersetzer Peter Kultzen und der Moderatorin Corinna Santa Cruz. Foto: Andreas Pleines

Frauenliteratur ist auf dem deutschen Buchmarkt unterrepräsentiert. Ihr Anteil bei verlegten Romanen, Übersetzungen, Rezensionen und Preisen liegt immer noch bei 25 bis 30 Prozent. Noch seltener liest man Autorinnen aus dem Süden, bedauert Anita Djafari, Geschäftsleiterin von Litprom, einem mit der Frankfurter Buchmesse gegründeten Verein zur Förderung von Weltliteratur. Er vergibt den LiBeraturpreis.

Der von Litprom verliehene LiBeraturpreis ist die einzige Auszeichnung nur für schreibende Frauen aus Afrika, Asien, Lateinamerika und den arabischen Ländern.

„Ich möchte diesen Preis mit den Menschen von Guadeloupe teilen. Wir sind so eine kleine Region, man bemerkt uns nur bei Hurrikans und Erdbeben. Ich bin froh, dass wir jetzt auch für etwas anderes stehen.“ Das sagte die karibische Autorin Maryse Condé, als sie 2018 mit dem alternativen Literaturnobelpreis geehrt wurde. „Condé war 1988 die erste LiBeraturpreisträgerin“, erinnert Anita Djafari stolz an die Anfänge der Initiative, die literarische Qualität und interkulturelles Verständnis fördern wollte. Unter den Preisträgerinnen sind viele, die „international sehr bekannt wurden wie etwa Edwidge Danticat aus den USA“.

Für den Perspektivwechsel

Gegründet wurde der Verein „LiBeraturpreis“ 1987, als entwicklungspolitisch Engagierte in der Frankfurter Christuskirche den Blick schärfen wollten für den kulturellen Reichtum in den Ländern des Südens, über die zumeist nur bei Problemen berichtet wurde. Die Gründer*innen – unter ihnen Djafari, die damals einen Dritte-Welt-Buchladen führte – fanden diesen „Perspektivwechsel“ vor allem in den wenigen Büchern, die von Frauen geschrieben waren. Etwa 20 bis 30 der 100 Mitglieder lasen und diskutierten Bücher von Autorinnen aus dem Süden, um sie dann einer professionellen Jury aus Schriftsteller*innen, Journalist*innen oder Übersetzer*innen vorzulegen, die aus der Shortlist die Preisträgerin ermittelten.

„Nach 25 Jahren war unsere rein private Initiative erschöpft“, so Djafari, und das ehrenamtliche Engagement sollte professionalisiert werden. Seit 2013 wird der LiBeraturpreis nun unter dem Dach von  Litprom e.V. vergeben. Die Frankfurter Buchmesse übernimmt die Kosten. Da es mittlerweile mehr übersetzte Literatur aus dem Süden gebe, sei das Auswahlverfahren „umgedreht“ worden und eine Jury wähle zunächst Titel für die Litprom-Bestenliste „Weltempfänger“ aus. Meist stammten sechs bis acht der Bücher von Frauen. Für 2020 hätten es schon 12 auf die Shortlist geschafft, so Djafari. Diese Vorauswahl werde in einer Kick-off-Veranstaltung in Frankfurt vorgestellt und dann starte das eineinhalbwöchige öffentliche Online-Voting. In diesem Jahr wählten 1400 Leser*innen ihren Lieblingstitel.

Keinem Klischee entsprechen

Rückblickend meint Djafarei, es gebe inzwischen „viel, viel mehr Literatur von Frauen“. Früher seien ihre Bücher „vor allem in Nischenverlagen wie Peter-Hammer- oder Unionsverlag“ erschienen. Mittlerweile gebe es die Belletristik auch in Konzernverlagen, allerdings „sehr viel Mainstream, weniger Außergewöhnliches“.

Die „weibliche Perspektive“ verbinde alle Bücher der Frauen aus dem Süden. Früher sei es vor allem um frauenspezifische Themen gegangen wie in dem autobiografischen Buch „Die Nacht des Baobab“ der senegalesischen Autorin Ken Bugul, das 1985 im Unionsverlag erschien. Mittlerweile habe sich das inhaltliche Spektrum erweitert und es gebe „sehr avancierte Formen des Schreibens“. So zeichne Mercedes Rosende aus Uruguay in ihrem Krimi „Krokodilstränen“ Frauenfiguren, die keinem einzigen Klischee entsprechen“ und auch Täterin seien.

Anita Djafari (re.) überreicht Mercedes Rosende die Urkunde.
Foto: Andreas Pleines

Rosende, LiBeraturpreisträgerin 2019, ist die letzte von dreien, die seit 2017 von Yogitee gesponsert wurden. Außer einem Preisgeld von 3000 Euro erhielten sie 6000 Euro für Aktivitäten in ihrem Herkunftsland. LiBeraturpreisträgerin Nguyen Ngoc Tu hatte 2018 in Vietnam einen Kurzgeschichtenwettbewerb initiiert, aus dem ein Sammelband mit den besten Erzählungen über Frauen in der vietnamesischen Gesellschaft hervorging. „Wir sind gespannt, wie Mercedes Rosende ihr Preisgeld einsetzt“, sagt Djafari. Sie bedauert, dass diese Unterstützung nun ausläuft und sucht einen neuen Sponsor für den einzigartigen Literaturpreis.

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