Vom Wandel der Arbeit hinter der Bühne

Die AG NV Bühne bei der Arbeit Foto: M. Staut

Die ver.di-Landesbezirke Rheinland-Pfalz/Saar und Baden-Württemberg ermöglichten in der gastfreundliche Pfalzakademie in Lambrecht Mitte Februar ein 2-tägiges Arbeitstreffen. Die Weiterentwicklung der bühnentechnischen Berufe stand zur Debatte. Mitglieder von nahezu allen Bühnen aus Rheinland-Pfalz/ Saar und Baden-Württemberg waren angereist, aber auch Kolleg*innen von wichtigen Häusern in Berlin, Frankfurt am Main und München.

Jedes ver.di-Mitglied konnte bei Anerkennung als Bildungsurlaub an dem Symposium teilnehmen. Für Interesse und gute Beteiligung sorgte auch, dass bundesweit anerkannte Spitzenreferenten gewonnen werden konnten. So wurde gemeinsam mit Sacha Ritter, Geschäftsführer der Interessens Gemeinschaft des Veranstaltungs Wesens  igvw.de  – ein Spitzenverband aller maßgeblichen Berufsverbände der Branche – die sich immer mehr vertiefende Spezialisierung der technischen Berufe erörtert. Sie werden inzwischen EU-weit standardisiert. Mit dem Projekt TALQ (Transparancy in art levels and qualifications) ist das für die Beleuchtungsberufe bereits geschehen. Das ETTE Project Kompetenztraining  (in deutscher Sprache verfügbar) ist inzwischen bereits Handbuch und Grundlage für die Qualifizierung von Bühnentechnikern. Auch die Ausarbeitung und Definition von Bühnenfachberufen ist im EU-Maßstab bereits in Gange.

Auf Basis des erreichten wurden gemeinsam eine Bestandsaufnahme der aktuellen Situation der technischen Berufe an Theatern und Bühnen vorgenommen und Strategien erörtert, wie  Qualifizierungen und Spezialisierungen im Bühnenalltag Platz finden könnten.

Thomas Neumann aus Mannheim stellte ein Erasmus-plus-Projekt vor, das er im Auftrag des Verbandes für Licht-, Ton- und Veranstaltungstechnik durchgeführt hatte. Eine 2-wöchige Grundqualifizierung mittels des ETTE Kompetenzlernprogrammes befähigt die Teilnehmer, in den bühnentechnischen Berufen als technische Aushilfen solide einzusteigen.

Solche Bildungsmodelle könnten mit bereits heute vorhandenen „Open sources“-Lernprogrammen weitergeführt werden und über den Bühnentechniker zur Spezialistenqualifikation führen. Das neue Berufsbildungsgesetz 2020 gibt den Pfad bereits vor, der bis zum Bachelor und Master Grad reicht.

Kurt Höllwarth, Rechtsanwalt aus Freiburg, hatte 2019 mit einem BAG-Urteil erreicht, dass Techniker*innen an einem Theater in Süddeutschland aus dem NV Bühne in den TVÖD eingruppiert wurden. Es war der erste Fall, bei dem die Frage, ob der NV Bühne für rein technische Berufe überhaupt anwendbar ist, durch alle Instanzen getragen wurde. Höllwarth erläuterte die Vorgeschichte bis zum Entscheid des Bundesarbeitsgerichtes und debattierte den Fall mit den Teilnehmern intensiv, um Verhaltens- und Verhandlungsstrategien für die Zukunft herauszuarbeiten.

Die bundesweit bekannte Theater-Coachin Christina Barandun erörterte mit den Teilnehmer*innen des Symposiums, welche Folgen für Hierarchien und Verantwortlichkeiten innerhalb von Beschäftigtengruppen aus veränderten Berufsbildern künftig entstehen können. Auch hier ging es um Analyse, Herausarbeitung und das Training von Lösungsmöglichkeiten.

Die Teilnehmer*innen sprachen sich am Ende einmütig dafür aus, die gemeinsame Arbeit fortzusetzen. Ein neuerliches Symposium wurde als geeignete Form gesehen, die Debatte zu den spezifischen Vorgaben des neuen Berufsbildungsgesetzes weiterzuführen.

Hier noch der direkte Pfad zum Handbuch für die Qualifizierung von Bühnentechnikern.

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Im Oktober 2020 wurde im Rahmen von „Neustart Kultur“ ein 65-Millionen-Programm zur Förderung freischaffender Künstler*innen und freier Gruppen in der bundesdeutschen Theater-, Performance- und Tanzlandschaft bereitgestellt. Der Fonds Darstellende Künste organisiert die Förderung, 50 Millionen Euro sind bereits vergeben worden. Wir baten Geschäftsführer Holger Bergmann um eine Zwischenbilanz.
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