Stage Oberhausen: Droht der letzte Tanz?

Mahnwache am Metronom Theater Oberhausen Foto: Udo Milbret

Die Stage Entertainment GmbH hatte im Herbst die baldige Schließung ihrer Häuser in Oberhausen und Essen angekündigt. Seither wehren sich die Beschäftigten mit ver.di, aber auch Unterstützer aus Fangemeinde und Region energisch gegen das Aus für die Theater. Das Musicalunternehmen führt dafür wirtschaftliche Gründe ins Feld, will dagegen andernorts expandieren.

Das Metronom Theater in Oberhausen hat 1800 Plätze und zeigte in fast fünfzehn Jahren bislang zwölf Musicals, die – so eine Mitteilung der Stage – zwar allesamt künstlerisch überzeugt hätten. Doch ein ausrechendes Publikum „für ein dauerhaft profitables Geschäft in diesem Markt“ hätten sie nicht gefunden. Die noch bis 22. März 2020 laufende Produktion „Tanz der Vampire“ soll deshalb die letzte sein. Auch das markante Colosseum Theater in Essen, als Event-Location genutzt, will die Stage abstoßen und verkaufen. „Als nicht subventioniertes Privattheaterunternehmen konkurrieren wir im Ruhrgebiet mit einer der dichtesten Kultur- und Theaterlandschaften Deutschlands“, heißt es von der Stage rechtfertigend. Den Betroffenen wird „hohe Sozialverträglichkeit“ bei den Schließungen versprochen.

Nicht von ungefähr. Der mit ver.di abgeschlossene Tarifvertrag sichert der Gewerkschaft Mitsprache bei solch einschneidenden Maßnahmen zu und sogar Veto-Möglichkeiten für die Arbeinehmerseite. Auch der Betriebsrat in Oberhausen ist in Informationsgespräche mit dem Arbeitgeber einbezogen. Den Auftakt am 11. Dezember begleitete eine Protestaktion von Beschäftigten, Familienangehörigen und Musicalgemeinde. Die Geschäftsleitung wurde mit einem Pfeifkonzert empfangen. Trotz Dauerregen harrten viele mit Transparenten aus, machten einander Mut, hörten Solidaritätsbotschaften, die verlesen wurden.

Protest im Regen: Das Auftakttreffen mit der Geschäftsführung am 11. Dezember wird begleitet von Pfeifkonzert und Forderungen.
Foto: Udo Milbret

Die ver.di-Vertreter und der Betriebsrat lassen sich von der Arbeitgeberseite nun die wirtschaftlichen Grundlagen für die angekündigte Entscheidung erläutern. „Wir stellen genaue Nachfragen zu den Zahlen und zu den durchgerechneten Alternativszenarien zur Schließung, um daraus eventuell noch ein Konzept zum möglichen Weiterbetrieb des Theaters entwickeln zu können“, erklärt Frank Schreckenberg. Erst wenn alles im Detail durchleuchtet und eine Schließung tatsächlich nicht abzuwenden sei, werde man in Sozialplanverhandlungen versuchen, den Beschäftigten einen möglichst guten Übergang in ihr weiteres Arbeitsleben zu ermöglichen, so der Tarifexperte von ver.di.

Wie viele das genau betrifft, sei noch so unklar wie der Ausgang dieser Treffen. Bisher müsse man von 88 Beschäftigten in Oberhausen und acht in Essen ausgehen. Beziehe man alle Bereiche ein, auch Service und Reinigung, könnten es durchaus noch etliche mehr sein.

Auch in der Nacht wurde ausgeharrt.
Foto: Udo Milbret

Die Gespräche wurden im neuen Jahr fortgesetzt. „Wir werden nicht verstummen“, war eine der zahlreichen Losungen, mit denen Betroffene am 7. und 8. Januar neuerlich zum Oberhausener Centro zogen. Trotz winterlicher Witterung hielten sie 36 Stunden lang bei einer Mahnwache vor dem Metronom Theater aus. „Es tut gut, ganz praktisch Solidarität zu erfahren“, resümierten die Aktiven, die dabei mit zahlreichen Musical-Liebhabern ins Gespräch kamen und viel Zuspruch erhielten.

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