Diesmal traf man sich zum 1. Mai eben im Netz

Auch der 1. Mai muss in Corona-Zeiten anders gefeiert werden. Der DGB entschied sich für eine bisher einmalige Kampfform, eine „Digitaldemo“. Was zunächst absurd klang, erwies sich als lehrreich, kämpferisch und bewegend. Unter dem Motto „Solidarisch ist man nicht alleine!“ kamen neben Gewerkschaftsvorsitzenden, Betriebsrätinnen, Fridays for Future, Liedermacher, Schauspielerinnen, selbst Musicalstars und ein virtueller Chor zu Wort.

Schauplatz des Livestreams war die DGB-Zentrale in Berlin-Mitte, die Kulisse wechselte zwischen Foyer und Dachterrasse. Eingeblendet wurden Erklärfilmchen, Regionalberichte und Soli-Botschaften.

„Solidarität hat in der Corona-Krise eine ganz neue Bedeutung gewonnen“, sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann, „wir kämpfen dafür, dass die Kosten der Krise nicht an den Beschäftigten hängenbleiben“. Zur Sicherung der Beschäftigung bedürfe es jetzt eines „zielgerichteten nachhaltigen Konjunkturprogramms“. Und zwar „nicht nur zur Wiederankurbelung der Wirtschaft“, sondern auch zur Lösung der schon vor der Krise bestehenden Probleme.

Auch ver.di-Vorsitzender Frank Werneke liefert ein Grußwort ab. Ausführlicher hatte er sich bereits beim Wechsel des ver.di-Banners am Berliner Schiffbauerdamm per Videobotschaft geäußert. Das Leben sei durch die Ausbreitung des Coronavirus „wie auf den Kopf gestellt“. Wesentliche Grundrechte seien eingeschränkt. Doch werde dieser 1. Mai wohl in die Geschichte eingehen als der Maifeiertag, an dem man sich „gemeinsam im Netz“ getroffen habe. Zum Lob für die „Helden und Heldinnen des Alltags“ sagte Werneke, viele der systemrelevanten Tätigkeiten, beispielsweise in der Pflege und im Handel, seien viel zu schlecht bezahlt. Wenn der Höhepunkt dieser Pandemie überwunden sei und man wieder gemeinsam auf die Straße gehen könne, „dann werden wir genau das Tarifvertrag für Tarifvertrag aufrufen. Für bessere Bedingungen, für eine bessere Bezahlung und die Aufwertung der Berufe, in denen insbesondere viele Frauen tätig sind.“

Dass die dreistündige Übertragung nie langweilig wurde, dafür sorgten kluge Reden, aber auch die Auftritte zahlreicher Künstler*innen. Zum Appetitmachen dieses Beispiel:

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