Angst vor dichtenden Computerprogrammen?

Eröffnungsdebatte "Automatic Writing 2.0" im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin, v. l. n. r: Aljoscha Burchardt, Kathrin Passig, Dagmar Monet Diaz, Simon Ings, Catherine Dufour, Zahra Rahman
Foto: Christian von Polentz

Vom 11. bis 21. September brachte das nun bereits 19. Internationale Literaturfestival Berlin (ILB) wieder Schriftsteller*innen aus unterschiedlichen Ländern mit einem interessierten Publikum zusammen. Ob dichtende Computerprogramme für Autor*innen in Zukunft zu einer großen Herausforderung werden, war ein Themenschwerpunkt.

Zudem eroberte sich das Festival 2019 zusätzliche Räume in der Stadt. Vorab, am 8. September hatte es eine breite Aktion „Berlin liest“ gestartet und hauptstadtweit alle Interessierten zur Teilnahme mit eigenen und fremden Texten animiert.

Am 11. September diskutierten zur Eröffnung des Automatic Writing 2.0-Programmschwerpunkts Dagmar Monett Diaz (Professorin für Informatik an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin, wo sie Künstliche Intelligenz und Softwaretechnik unterrichtet), Catherine Dufour (Romancière und Informatikerin, Dozentin und Kritikerin bei »Le Monde diplomatique«), Simon Ings (britischer Science-Fiction- und Cyberpunk-Schriftsteller, Sachbuchautor sowie Kunstredakteur des Magazins »New Scientist«), Aljoscha Burchardt (leitender Forscher am Speech and Language Technology Lab des Deutschen Forschungszentrums für Künstliche Intelligenz in Berlin), Kathrin Passig (Journalistin, Schriftstellerin, Übersetzerin und Mitbegründerin der Zentralen Intelligenz Agentur) unter der Moderation von Zara Rahman im  HAU Hebbel am Ufer.

Nach der Feststellung, dass künstliche Intelligenz sich einerseits jeglicher schnellen Definition entzieht und andererseits oft als Marketingbegriff benutzt wird, um den Journalisten und Researcher alberne Narrative spinnen, wandte sich das Gespräch der Tatsache zu, dass KI, obwohl in Literatur und Film seit über 100 Jahren präsent, ein Kind unserer Zeit ist, denn die Menge der gesammelten Daten und die selbstlernenden Algorithmen stehen erst seit kurzem zur Verfügung.

KI bietet viele Vorteile und faszinierenden Resultate, denn z.B. können nur Maschinen Parallelen und Entwicklungen in zehntausenden von Datensätzen aufspüren (wie etwa dass in der Literatur am Anfang des 19. Jahrhunderts viel geschrien wurde, in der des ausgehenden 19. Jahrhunderts mehr geflüstert). Trotzdem wurde durch die Historie der KI-Literatur immer nach dem gefragt, was falschlaufen kann. Dabei sei die Literatur über Robotik eine Literatur über menschliche Ethik und wie wir mit menschenähnlicher Intelligenz umgehen.

Der Tenor der der KI sehr aufgeschlossenen Diskussionsrunde war, dass die Furcht unbegründet sei. KI könnten kognitive Fähigkeiten und das Treffen von Entscheidungen nur vom Menschen lernen, der programmieren müsse, welche Wege richtig und welche falsch seien, so Aljoscha Burchardt.

Besonders bemerkenswert blieb die Aussage von Kathrin Passig, die sagte, Kreativität sei nicht besonders kompliziert und könne abgehobene, intelligent wirkende Literatur einfach simulieren. Dort, wo ein Plan, ein Plot vonnöten sei, merke man das Fehlen eines verbindenden Geistes und einer Absicht.

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